CD & DVD-REVIEWS:

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

EDGUY – Monuments

Die Umsatzkönige EDGUY fräsen sich schon nunmehr seit 25 Jahren mit ihren etwas zu klebrigen Melodien in unser Gehör. Das begehen sie mit einem fetten Packet aus Best-Of, nagelneuen Nummern und einer DVD. Lohnende Anschaffung, findet unserer Rezensent.

EUROPE - Final Countdown 30th Ann. Show

 

Vor drei Dekaden haben EUROPE mit „Final Countdown“ sämtliche Hitparaden geknackt. Das wurde 2016 auch livehaftig gefeiert. Was von dem gerade erschienen Mitschnitt der Feierlichkeiten zu halten ist, steht HIER

 

Wiedervereint: Die Ex-Skorpione Francis Buchholz (Bass), Michael Schenker (Gitarre) und Herman Rarebell (Schlagzeug). Fotos: Niels Holger Schmidt
Wiedervereint: Die Ex-Skorpione Francis Buchholz (Bass), Michael Schenker (Gitarre) und Herman Rarebell (Schlagzeug). Fotos: Niels Holger Schmidt

IM GESPRÄCH:

Keine Rente für Skorpione

Ex-SCORPIONS-Schlagwerker Herman Rarebell hat zwar gerade das Rentenalter erreicht, rollt aber trotzdem eine neue Solo-Scheibe mit runderneuerten SCORPIONS-Klassikern an den Start. Außerdem ist er mit Michael Schenkers TEMPLE OF ROCK auch live wieder aktiv. Niels Holger Schmidt plauderte mit ihm über seinen neuen Tatendrang und seine Sicht auf die Weltpolitik.

Haut wieder rein: Herman Rarebell.
Haut wieder rein: Herman Rarebell.

m/o: Hermann, vor einiger Zeit hat dein Ex-Kollege Rudolf Schenker noch mit der Rente geliebäugelt. Jetzt hat man aber das Gefühl: So viel SCORPIONS war nie: Du hast eine neue Solo-Platte mit SCORPIONS-Material, mit Michael Schenker und Francis Buchholz seid ihr als TEMPLE OF ROCK unterwegs, selbst Uli Jon Roth tingelt mit einem SCORPIONS-Programm. Und die Rest-Skorpione Schenker & Meine machen eine neue Platte. Woher der Elan?

Herman Rarebell: Das erzählt Rudolf ja schon seit Jahren. Aber bei mir und Michael ist das anders. Wir leben beide in Brighton in England. Michael lebt schon lange da. Und ich bin 2008 wieder zurück dorthin. Michael hatte mich ja eigentlich zu den SCORPIONS gebracht: Ich habe von 1971 bis 1977 dort gewohnt und war Michael befreundet. Er hat mir gesagt: „Mein Bruder hat ’ne Band, die SCORPIONS. Die suchen ’nen Drummer und spielen im Marquee Club in London. Geh doch mal zum Vorspielen hin. Und dann war ich drin. Der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

Michael wurde von UFO bei den SCORPIONS abgeworben und hat mit Phil Moog die großen UFO-Hits wie „Doctor, Doctor“ oder „Lights Out“ geschrieben. Aber mit 18 war der natürlich total fertig mit der Welt. Die waren damals voll auf Drogen und haben heftig gesoffen. 2008 habe ich Michael in Brighton zufällig am Wasser getroffen. Wir haben sechs Monate 300 Meter entfernt gewohnt und nichts voneinander gewusst. Er hat mich wieder zum Spielen gebracht. Ich war ja eigentlich im Ruhestand. Er sagte zu mir: „Komm, wir jammen mal, haste keinen Bock? Wir machen wieder ne Band.“ Wir haben uns musikalisch wieder super verstanden. Dann habe ich Francis angerufen. Mit dem war ich im Streit. Aber wir haben uns wieder versöhnt. Seitdem ist Francis unser Bassist. Jetzt haben wir drei originale Skorpione. Mit Doogie White von RAINBOW haben wir einen hochkarätigen Sänger. Und auch Wayne Findlay, unser zweiter Gitarrist und Keyboarder, ist einfach ein Hammer.


m/o: Alle spielen im Moment alte SCORPIONS-Sachen: Die Rest-SCORPIONS natürlich, ihr spielt SCORPIONS-Stücke, kürzlich habe ich sogar Uli Jon Roth mit einem SCORPIONS-Programm gesehen.

Herman Rarebell: Wir spielen nur die Klassiker, mit denen ich etwas zu tun habe oder auf denen Michael gespielt hat. Wir haben aber auch UFO und MSG-Klassiker im Programm. Und natürlich wir stellen auch Songs unserer neuen Band, TEMPLE OF ROCK, vor. Und wie du gesehen hast, kommt die Mischung gut an.


m/o: Klingt nicht so, dass ihr bald in Rente wollt.

Herman Rarebell: Nein, ich wüsste auch nicht, was ich machen sollte. Ich bin im November 65, bin also ein echter Skorpion. Wenn ich drei, vier Wochen zuhause herumsitze, sagt mir meine Frau: „Wird Zeit, dass du wieder auf Tour gehst.“ Wenn man Vollblutmusiker ist, machst du das dein ganzes Leben. Seit 40 Jahren werde ich gefragt: Wie lange willst du das denn noch machen?

Francis Buchholz macht wieder Tiefendruck, hier zusammen mit Wayne Findlay.
Francis Buchholz macht wieder Tiefendruck, hier zusammen mit Wayne Findlay.

m/o: Und? Wie lange willst du das noch machen?

Herman Rarebell: Na bis ich umfalle. Was soll ich sonst tun?


m/o: Skorpione haben keinen Rentenanspruch?

Herman Rarebell: Nein, zumindest wenn Rente heißt, zuhause herumzusitzen und nicht zu wissen, was ich mit mir anfangen soll. Ich will spielen! Niemand würde ja auf die Idee kommen BB King oder Chuck Berry zu fragen, wie lange sie das noch machen wollen. Auch wenn er 89 ist: BB King spielt immer noch. Und er wird das machen, bis er tot umfällt. Wenn ich 80 bin und mich nicht mehr rühren kann, spiele ich natürlich nicht mehr. Aber solange es körperlich geht, werde ich weitermachen.


m/o: Ich habe Euch mit TEMPLE OF ROCK in der Zeche Bochum gesehen. Ziemlich dynamische Show. Viel mehr Punch als bei der „Temple of Rock“-Tour 2012. Brauchten Francis und Du etwas Zeit, um wieder reinzukommen?

Herman Rarebell: Ja, schon. Das ist ein bisschen wie eine Maschine, die geölt werden musste und einlaufen. Und jetzt laufen wir wieder auf Hochtouren.


m/o: Ihr habt auch neues Material im Programm, erzähl mir etwas dazu.

Herman Rarebell: Wir haben vor gut einem Jahr unsere zweite Scheibe in der Besetzung gemacht, „Bridge the Gap“. Damit waren wir in Deutschland noch nicht unterwegs, deshalb haben wir jetzt die „Bridge the Gap“-Tour nachgeholt und das Material dieser Scheibe präsentiert. Aber wir haben gerade schon die nächste Platte fertig gestellt, die im Februar 2015 auf den Markt kommt.


m/o: Aber einen Appetithappen vom kommen Album gab es live schon.

Herman Rarebell: Ja, wir haben „Vigilante Man“ vorgestellt. Auch, um beim Publikum anzutesten, wie die Leute abfahren. Dass wird wahrscheinlich eine Single. Kam beim Publikum ja auch gut an. Wenn das anders gewesen wäre, hätte sich der Song schon aus der engeren Wahl für die Single verabschiedet.

Du hast selber erlebt, wie tight die Band ist und wie gut sie angenommen wird. Michael selber wurde gerade in England zum zweiten Mal in Folge zum besten Gitarristen gewählt. Das ist eine große Ehre. Da waren Kaliber am Start wie Jimmy Page, Brian May, Slash, Ronnie Wood, Tony Iommi. Die kamen dann, um zu gratulieren und zu sagen: „Wir sind große Fans“. Wenn Ronnie Wood zu Deinen Konzerten kommt, ist das schon toll.

Michael und ich sind wie eine Maschine. Wir kennen uns so lange, da weiß jeder fast telepathisch, was der andere macht. Wenn wir zusammen spielen, kracht es einfach. Und solange sich meine Glieder noch bewegen, werde ich Musik machen.

Gesangsgranate Doogie White.
Gesangsgranate Doogie White.

m/o: Aber du hast auch Projekte jenseits der Bühne, etwa als Produzent.

Herman Rarebell: Ja, ich denke, man muss neuen Künstlern helfen. Deshalb produziere und manage ich auch diese junge Band UNBREAKABLE. Wenn man das nicht macht, kommt nichts mehr nach. In zehn oder 15 Jahren gibt es keine SCORPIONS und keine AC/DC mehr.


m/o: Deren Schlagzeuger Phil Rudd hat ja gerade unter anderem wegen angeblichem Mordversuchs und Drogenbesitzes richtig Ärger mit der Justiz. Dubios, oder?

Herman Rarebell: Ja ganz dubios. Ich kenne Phil. Er ist kein böser Mensch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da was dran ist. Aber wenn, ist das das Ende dieser Band. Es war schon sehr traurig zu sehen, dass Malcom Young nicht mehr kann. Er war der wichtigste Songschreiber, der Schöpfer. Angus Young war für mich immer das Aushängeschild, der ’ne geile Gitarre spielt und Show macht. Aber der Groove in der Band kam immer von Phil Rudd. Er ist der coolste Groover. Und ohne Phil ist das nicht AC/DC. Sie hatten ja eine Zeit lang Chris Slade, ein guter Schlagzeuger, und vorher Simon Wright. Aber die passen nicht zu AC/DC.


m/o: Keiner knallt wie Phil Rudd?

Herman Rarebell: Ja, so ist das. Jede Band hat ihre Chemie mit der sie am besten funktioniert. Das war auch bei den SCORPIONS so. Ich hatte ja das Glück, deren goldene Jahre mitzuerleben. Die großen Hits sind in dieser Ära entstanden. Und diese Besetzung, Rudolf, Klaus, Matthias Francis und ich, das waren die eigentlichen SCORPIONS. Was danach kommt, ist eigentlich eine zweite Formation.


m/o: Ist die große Ironie, dass ihr größter Hit „Wind of Change“ der Truppe als Rockband das Genick gebrochen hat? 

Herman Rarebell: Zu dem Song gibt es viel zu sagen. Als Klaus uns die Nummer zuerst vorgespielt hat war die Reaktion bei allen: Wir wollen keinen Schlager spielen. Aber wie du siehst: Es ist der größte Hit geworden. Ich will das eigentlich nicht mehr live spielen. Ich habe es tausendmal gespielt und es hängt mit echt zum Hals raus. Aber: Ein schöner Song, der die Band weltweit auf ein ganz anderes Level gebracht hat, was die Bekanntheit angeht…


m/o: Aber er könnte auch von Helene Fischer sein, oder?

Herman Rarebell: An und für sich ja. Und das haben wir damals ja auch gesagt. Aber man muss zu geben: Er hat funktioniert. Und man sollte nicht schlecht über etwas reden, was so gut funktioniert hat.

Alter Weggefährte: Michael Schenker.
Alter Weggefährte: Michael Schenker.

m/o: Ihr hängt Euch mit „Let it Shine“ von Deiner neuen Platte schon etwas an „Wind of Change“ dran, oder? Auch eine süßliche Rockballade...

Hermann Rarebell: Nein, das hat andere Gründe. Ich habe „Let it Shine“ in Erinnerung an das „Moscow Music & Peace“-Festival geschrieben auf dem wir damals gespielt haben. Das war ein Friedensfestival, das sagen sollte: Wir wollen Frieden und Euch die Musik bringen, die ihr hören wollt, die euch am Herzen liegt. Und die Musik kennt keine Sprachen. Und die Songs, die wir gespielt haben – und „Wind of Change“ gab es noch nicht – gingen in die Herzen der Leute. Als ich damals sah, dass Soldaten im Stadion ihre Mützen wegwarfen wusste ich: da passiert was. Danach gingen wir durch den Gorki Park zum ersten Hard Rock Cafe in Moskau. Hinterher hat Klaus Meine diesen Song geschrieben. Und er hat die Melodie zuerst vorgepfiffen. Die Plattenfirma wollte das Pfeifen erst wegmachen. Aber Du siehst: Es ist bis heute da und macht den Charakter des Songs aus. Und es ist mit „Rock You Like A Hurricane“ und „Still Lovin You“ einer der drei Welthits der Band. Und mir war jetzt klar: Wenn man eine Nummer will, die weltweit die Menschen erreicht, braucht man eine kommerzielle Ballade, die von den Radiostationen auch gespielt wird. Aber es muss auch eine Botschaft haben: Es wird Zeit, dass in diese Welt wieder mehr Licht kommt. Zum Beispiel zwischen Deutschland und Russland, aber auch im Nahen Osten. Was passiert denn mit ISIS, die ganzen Kriege dort, wo sich Menschen aus verschiedensten Gründen umbringen. Da sage ich: Die internationale Sprache der Musik muss da zumindest wieder eine Meinung haben. Ob wir das ändern können, weiß ich nicht. Aber man muss die Menschen zumindest zum Nachdenken bringen. Die Leute sollen sich fragen: Wohin führt das alles, wenn wir so weiter machen? Das kann nur zu einem Krieg führen. Und das will ich natürlich verhindern. Keiner bei den Russen will einen Krieg. Und wir wollen den auch nicht. Und das ist meine Botschaft: Wir sollten wieder anfangen, menschlich miteinander zu reden.


m/o: Wie siehst du die Politik der EU gegenüber der Ukraine?

Hermann Rarebell: Was nutzen mir alle Konferenzen der Europäer, wenn die beiden Hauptparteien, die Russen und die Ukrainer, nicht miteinander reden. Nichts nutzt das. Da können wir soviel quatschen, wie wir wollen. Jetzt gerade haben wir wieder 300 Millionen Euro „verliehen“, damit die Ukraine Gas und Öl bei den Russen zahlen kann. Glaubst du, das bekommen wir wieder. Wovon träumst du denn nachts?

Die zweite Sache, die mir total stinkt: Da kommt ein Flieger runter mit 298 Menschen. Drei Monate später kommt ein kleiner Bericht, dass die Maschine „von kleineren Objekten“ getroffen wurde. Da ist dann nicht mehr die Rede davon, dass sie von Buk-Raketen abgeschossen wurde. Und die nächste Mitteilung soll angeblich im Juli 2015 kommen. Bis dahin ist von dem Feld dort eh nichts mehr über.


m/o: Glaubst du, dass es einige Leute auch lieber nicht genau wissen wollen, wie es war?

Hermann Rarebell: Ich glaube nicht, dass die Russen das waren. Das waren die Ukrainer selber, um den Westen mit in diesen Krieg zu ziehen. Das hat ja nicht geklappt. Man fragt sich schon: Was macht diese Maschine überhaupt über diesem Kriegsgebiet?


m/o: Was denkst du über die westlichen Sanktionen gegen Russland?

Hermann Rarebell: Das macht die deutsche Wirtschaft halt kaputt. Die Einbrüche in der Autoindustrie, die über 6000 Betriebe, die unsere Leute drüben haben. Alles kaputt. Die Wirtschaft geht den Bach runter, hier wie da. Was soll das alles? Wo soll das hinführen? Demnächst werden auch hier viel mehr Arbeitslose haben. Dann werden sie vielleicht wach. Obwohl ich in der BILD gelesen habe, man wolle die Sanktionen lockern. Das bringt einfach nichts.

Ich kotze auch, wenn ich sehe, wie man mit der Abstimmung auf der Krim umgeht. Da haben 96% gesagt: Wir wollen zurück zu Russland. Die Bevölkerung dort spricht russisch. Da kann man nicht sagen: Ihr müsst jetzt zum Westen und sprecht auch kein russisch mehr. Das geht doch nicht.


m/o: Mir scheint die Lage dort beidseitig sehr verbissen zu sein.

Hermann Rarebell: Absolut. Deshalb sage ich: Redet miteinander wie vernünftige Menschen und bringt Euch nicht gegenseitig um. Es gibt im Krieg keine Gewinner. Ich kenne zumindest niemanden, der im Krieg einmal gewonnen hat.


m/o: Außer vielleicht die Rüstungsindustrie…

Hermann Rarebell: Ich würde tatsächlich erstmal alle Waffenlieferungen einstellen. Diese Leute verdienen daran Milliarden und wir schauen seelenruhig zu. Ich bin mir total sicher: Einige Politiker verdienen da hintenrum auch mit.

Wollen auch 2015 weiter rocken: Michael Schenkers TEMPLE OF ROCK.
Wollen auch 2015 weiter rocken: Michael Schenkers TEMPLE OF ROCK.

m/o: Themenwechsel - Du hast eine neue Solo-Scheibe mit Neueinspielungen der Golden Oldies der SCORPIONS. Darauf gibt es nur eine neue Nummer aber dafür viele prominente Kollegen. Ist das nicht etwas arg kalkuliert?

Herman Rarebell: Nein. Ich kann die Stücke ja nicht einfach von einem einzigen Sänger neu einsingen lassen. Das sagt ja jeder: Das hätte ja auch gleich Klaus Meine machen können. Wenn ich mir schon Sänger hole, dann hochkarätige, echte Weltstars wie Bobby Kimball von TOTO, Don Dokken oder Alex Ligertwood von SANTANA. Du hast die Liste ja gesehen. Solche Sänger geben den Songs durch ihre Stimme einen anderen Charakter und ein neues Gesicht. Und bei der Produktion haben wir versucht, sie anders klingen zu lassen. Mit Erfolg denke ich.


m/o: Die neue Single „Let It Shine“ hat Al Crespo eingesungen, der einzige Non-Promi-Gast auf der Platte. Wie bist du auf ihn gekommen?

Herman Rarebell: Wir hatten 13 SCORPIONS-Songs. Dann steht natürlich im Raum: Was machen wir jetzt? Ich hatte diese Nummer „Let it Shine“ und produziere Al Crespos Band UNBREAKABLE. Der Junge singt super. Da lag die Wahl nah. Ich wollte, dass dieser junge Sänger diese Botschaft singt. Auch weil er jung ist. Ich gehe als Mittsechziger nicht in Konkurrenz mit so jungen Bands. Die können in die Musikkanäle kommen. Das kann ich nicht mehr.


m/o: Aber wieder eine Ballade…

Herman Rarebell: Die Nummer ist eine echte Rockballade mit der ich leben kann. Das ist nicht Schlager, hat einen deutlichen Gospel-Einschlag. Ich selbst bin ein religiöser Mensch und glaube: Wenn die Leute jeden Glauben an eine höhere Macht verlieren, geht alles den Bach runter. Auf der anderen Seite: Wenn man sich anschaut was diese Besessenen im IS machen, massenhaft die Leute umzubringen..., ich möchte mal wissen, wo im Koran stehen soll, dass man Leute umbringen darf. Das steht da sicher nicht.


m/o: Auf Deiner neuen Platte sind praktisch die gleichen Sänger und die gleichen Stücke wie auf der 2012er Akustik-Platte „Acoustic Fever“. Warum?

Herman Rarebell: Ja, ich hätte die Platte auch „Electric Fever“ nennen können. Ich habe mir nach der Akustik-Platte überlegt, dass ich die Songs auch wieder live on Rockclubs vorstellen will. Das kann man akustisch nicht gut machen. Deshalb wollte ich etwas Elektrisches.


m/o: Wie ist Dein Verhältnis zu Deinen ehemaligen SCORPIONS-Kollegen? Du bist ja nicht ganz im Frieden gegangen.

Herman Rarebell: Na ich bin schon im Frieden gegangen, aber es war einfach Zeit, etwas anderes zu machen. Deshalb hab ich das Angebot von Prinz Albert angenommen, „Monaco Records“ zu machen. Das war von 1996 bis 2001. Dann waren wir in der Falle, in die fast alle Plattenfirmen getappt sind. Heute gibt es praktisch nur noch drei große Firmen, die überlebt haben. Sony, Universal und Warner. Auch wir mussten den Betrieb einstellen. Die Freundschaft zu Klaus und Rudolf ist geblieben. Beide waren noch im Juni bei der Hochzeit meiner Tochter in Monte Carlo, genau wie Prinz Albert. Wir haben weiter ein gutes Verhältnis. Es gibt ja immer wieder mal „Best Of“-Platten. Da müssen wir uns dann auch treffen, um zu klären, was da drauf kommt. Aber ich glaube nicht, dass wir noch mal zusammenspielen werden. Man kann natürlich Abschiedstourneen auch immer noch länger ziehen. Aber irgendwann wird wirklich Schluss sein, weil man dann wirklich zu alt ist.

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