CD & DVD-REVIEWS:

DANZIG – Black Laden Crown

Das erste DANZIG Album mit ausschließlich neuen Songs seit sieben Jahren serviert und Glenn DANZIG - und macht damit eine historische Bauchlandung, findet unser Rezensent.

DEEP PURPLE – inFinite

Die britischen Rock-Giganten DEEP PURPLE legen mit „inFinite“ Album Nr. 20 vor. Ein ziemlich gelungenes, entspanntes Alterswerk - und vielleicht das letzte, mutmaßt unserer Rezensent HIER:

Zwischen ACCEPT und Udo Dirkschneider ist bekanntlich seit Jahren der Ofen (wohl endgültig) aus. Aber jetzt haben die Band und ihr Ex-Reibeisen jeweils Live-Dokumente am Start auf denen das Erbe der Teutonen-Metal-Giganten abgefeiert wird. Wie die Ergebnisse ausfallen, steht HIER.

CHICKENFOOT – Best + Live

Die All-Star-Truppe CHICKEN- FOOT hat ne neue Scheibe, so mehr oder weniger zumindest. Was von dem Best Of und Live-Doppelschlag zu halten ist, steht HIER:

BÜHNENNOTIZEN:

DOUBLE CRUSH SYNDROME live in Düsseldorf

DOUBLE CRUSH SYNDROME haben ein starkes Album abgeliefert. Aber schaffen sie den Live-Test? Das beantwortet unser Rezensent HIER.

IM GESPRÄCH: Andy Brings

Dreck fressen für den Rock N' Roll

Es läuft für Andy Brings. Das Debütalbum „Die For Rock N´Roll“ seiner Band DOUBLE CRUSH SYNDROME“ ist von 0 auf 48 in die deutschen Albumcharts eingestiegen, die Tour, die eine kurze Pause über die Ostertage einlegt und am 18. April in Düsseldorf weiter geführt wird, läuft gut, mit seinem neuen Label ist er auch zufrieden. Warum das Debüt eigentlich kein Debüt ist und was es mit Thrash-Metal - Splittergruppen auf sich hat, erklärt er uns darum auch in sichtlich aufgeräumter Stimmung.

m/o: Andy, als erstes: Herzlichen Glückwunsch zu einem wirklich guten Album. Unsere Kritik war eine gute und auch alle anderen, die ich gelesen habe waren gut. Ich habe mich wirklich bemüht eine zu finden, die negativ ausgefallen ist, aber ich habe keine gefunden.

Andy Brings: Vielen Dank. Was Du sagst stimmt. Der Hass blieb aus. Wenn man das macht was wir machen und das vor meinem Hintergrund, rechnet man immer mit viel Hate, das ist leider heutzutage fast schon normal. Vor allem von den „Ewiggestrigen“ erwartet man das, aber selbst das ist ausgeblieben.

 

m/o: Eingestiegen ist das Album von 0 auf 48, das ist beachtlich. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Brings: Die richtige Band mit dem richtigen Album zum richtigen Zeitpunkt. Und alle haben gut und viel gearbeitet. Die Promo, das Marketing war gut. Die Band hat malocht, ich habe viel Vorarbeit in den letzten vier Jahren geleistet. Wir haben wirklich das Feld von ganz hinten aufgerollt. Wir sind jetzt vier Jahre unterwegs und wir haben dabei wirklich Dreck gefressen. Wir haben uns die Fans wirklich erspielt, im wahrsten Sinne und so, wie ich das auch vor hatte. Und jetzt kann man mit einer Plattenfirma, die gescheit arbeitet das Ganze auf professionelle Füße stellen. Es funktioniert offensichtlich, der Plan war gut und er ist aufgegangen. 

m/o: Also braucht man auf jeden Fall ein Label?

Brings: Nein, braucht man nicht. Man muss ja nicht zwangsläufig in die Charts. Das war ja auch nicht unser Ziel. Man braucht kein Label, wir haben auch vorher als Band ganz wunderbar existiert. So hätten wir auch problemlos weiter machen können, aber ich wollte schon das nächste Level erreichen. Und wenn man das will, Festivals spielen, eine breitere Aufmerksamkeit erregen, die über die kleine Nische hinaus geht, dann kann es nicht schaden, wenn man sich professionell aufstellt. Irgendwann ist auch mein Tag mal zu Ende. Ich bin immer noch der Bandmanager, aber früher war ich alles: Manager, Booker, Songwriter, Gitarrist, Sänger, Produzent.

 

m/o: Dann ist das also letztlich der Hintergrund für die Entscheidung bei einem Label zu unterschreiben? Lange Zeit hast Du ja mit dem gut nachvollziehbaren Argument, dass Du Deine Unabhängigkeit behalten willst, Dich gegen die Unterschrift bei einem Label entschieden. Die aktuelle Entscheidung für ein Label fiel also vor dem Hintergrund, dass Du an Deine Grenzen gestoßen bist?

Brings: Nein, das nicht. Ein Tag ist halt einfach irgendwann zu Ende. Ich stoße in dem Sinne nicht an meine Grenzen. Ich arbeite gerne, ich arbeite wie ein Pferd, das mache ich immer noch. Aber es hilft einfach ungemein, die Arbeit besser zu verteilen. Ich war schon im Begriff mein eigenes Label zu gründen, als die Sache von außen an mich heran getragen wurde (gemeint ist der Kontakt zu Arising Empire, ein Sublabel von Nuclear Blast, Anm. d. A.). Ich habe kein Label gesucht, die sind zu mir gekommen. Aber ich höre dann halt zu, wenn mir jemand was zu sagen hat. Manchmal haben ja auch andere was interessantes zu sagen, nicht immer nur ich (lacht).

m/o: DOUBLE CRUSH SYNDROME gibt es seit 2013. 2017 ist dann das Debütalbum erschienen. Das ist eine lange Spanne. Warum hat es so lange gedauert?

Brings:  Wir haben ja 2013 bereits eine CD gemacht. Das war eine Eigenpressung in einem Pappschuber. Die haben wir dann auf Konzerten verkauft. Das war absolut unter dem Radar, es gab keine Promotion, nicht eine einzige CD wurde an die Presse geschickt. Zu dem Zeitpunkt haben wir das alles absichtlich weggelassen. Somit ist zwar jetzt das offizielle Debütalbum am Start, aber wir hatten halt schon eine CD draußen und auch eine Single. Aber das Debüt jetzt ist halt schön, es gibt ein Digipack, es gibt ne Vinyl und alles mögliche. Vorher war es ein Konzertsouvenir, jetzt haben wir es richtig gemacht.

 

m/o: Denkst Du, dass Du jetzt mit Slick und Julian die Besetzung hast, die auch bleiben wird? Ihr habt ja als DCS anders angefangen.

Brings: Ja, wir haben anders angefangen. Aber ich habe noch nie jemanden raus geschmissen. Das sieht bestimmt von außen komisch aus, dass ich oft das einzige Gründungsmitglied der Bands bin, in denen ich war. Das sieht dann despotisch aus, ist es aber gar nicht. Es gab nie Streit, alle sind aus jeweils für sich selbst ganz persönlichen Gründen gegangen. Ich habe mich nie im Streit von jemanden getrennt. Und Slick und ich waren ohnehin viel zu lange auseinander.

 

m/o: Ja, warum Slick liegt ja auf der Hand...

Brings: Die TRACEELORDS haben sich 2006 aufgelöst und dann hatten wir auch acht Jahre keinen Kontakt. OK, zweimal haben wir uns in dieser Zeit zufällig gesehen, aber es gab keinen Kontakt. Slick war zwischenzeitlich nach Köln gezogen, was ich nicht wusste und als wir dann mal in Köln gespielt haben, stand er auf einmal vor mir. Nach der Show haben wir uns dann fast weinend in den Armen gelegen und haben uns gefragt, wie das überhaupt passieren konnte, dass wir gar keinen Kontakt mehr hatten. Wir hatten uns ja nie gestritten. Das Ende der TRACEELORDS hatte nichts mit ihm und mir zu tun. Und dass er zu DCS gekommen ist, dafür war nur ein Anruf nötig.

m/o: Und wie bist Du auf Julian gekommen?

Brings: Der ist mir empfohlen worden. Wir kannten uns schon, aber ich wusste nicht, was  für ein geiler Drummer er ist. Das war auch nur ein Telefonat. Wir haben telefoniert, uns getroffen und gemerkt, dass das passt, einmal gespielt, das wars.

 

m/o: Ihr seid gerade mitten in einer Tour, macht nur eine kleine Pause. Ihr wart in England unterwegs, zusammen mit STEVE `N` SEAGULLS. Wie war´s? Sind englische Fans anders oder sind Musikbekloppte überall gleich?

Brings: Musikbekloppte sind auf jeden Fall überall Musikbekloppte. Aber wir waren vorher mit STEVE `N`SEAGULLS in Deutschland unterwegs und England war schon sehr besonders. Es hat irgendwas von Nachhausekommen. Das ist halt das Motherland und wenn da ne deutsche Band kommt, dann hat das was von Eulen nach Athen tragen. Sollte man zumindest denken, aber die Reaktion war eher in die Richtung, „wir wussten gar nicht, dass es solche Bands noch gibt.“ In England versuchen gerade alle auszusehen wie die BAY CITY ROLLERS oder SMOKIE und wollen klingen wie die STONES; QUIREBOYS und... keine Ahnung. Englisch halt. Zu englisch. Es muss cool und stylish sein und wir verkörpern halt was anderes. Ich glaube, wir sind frisch und originell, ohne zwanghaft was Neues sein zu wollen das kann man auch gar nicht. Das größte Kompliment ist für mich, wenn jemand sagt, irgendwie kenne ich das, aber ich weiß nicht woher. Ich konnte aber nach dem zweiten Refrain mitsingen.

 

m/o: So ähnlich sehe ich das auch. Ihr klingt ein bisschen nach den RAMONES, ein wenig nach den frühen MÖTLEY CRÜE und wenn ihr in eurem Outfit auf die Bühne kommt, dann ist das zwar nicht neu, aber auch doch irgendwie, weil mittlerweile alles glatt ist und ihr plötzlich wieder rotzig daher kommt.

Brings: Genau und in England wussten sie offenbar nicht, dass es so etwas noch gibt. Die laufen da halt alle mit ihren THE SWEET – Frisuren, müssen alle aussehen wie SMOKIE `77 und klingen wie so Bands wie die BITERS zum Beispiel. Das ist zwar ne gute Band, aber für mich auch hoffnungslos austauschbar und ich glaube wir sind nicht so leicht austauschbar.

 

m/o: Eure Songs klingen alle frisch, Punk`n Roll, so könnte man sie am besten beschreiben, glaube ich. Der einzige Song, der da so ein bisschen raus sticht ist „On Top Of Mount Whateverest.“ Der klingt aufwändiger produziert, hat Sythieklänge mit dabei, was die anderen nicht haben. Wieso ist das bei diesem Song so?

Brings: Vom Songwriting her ist der gar nicht so viel anders, als die anderen Songs. Aber wir sind keine Keller-Punkband mehr und ich habe keine Lust, 14 mal auf einem Album das selbe Lied zu machen. Ich mach das so, wie mich die Muse gerade küsst und wenn ich merke, der Song braucht halt mehr, damit er sein ganzes Potential entfalten kann, dann kriegt der halt mehr. Dann bekommt der auch mal Synthieelemente, da habe ich dann als Produzent auch keine Angst vor. Live lassen wir die allerdings weg. Wir rennen nicht mit Laptop auf die Bühne, damit auch ja alle Spuren vom Album auf der Bühne zu hören sind. Live müssen dann doch ganz andere Dinge stimmen, da muss aber nicht unbedingt Synthie mit dabei sein. Aber ich gebe Dir recht, der Song fällt ein bisschen raus, weil er etwas teurer produziert ist. Der brauchte halt ein bisschen mehr, das hat er bekommen.

 

m/o: Jemand der euch nicht kennt, noch nie ein Stück eurer Musik gehört hat – wieso sollte der trotzdem auf ein Konzert von euch kommen, was kann so jemand erwarten?

Brings: Die bestmöglichen 120 Minuten die er haben kann. Wir spielen unsere eigenen Shows, mittlerweile wirklich fast zwei Stunden. Und der Ansatz ist der, dass jeder einfach mal für zwei Stunden vergisst, was den ganzen Tag über Scheiße war. Man sieht ne geile, frische Band alter Prägung. Der Maßstab, den wir als Liveband an uns selbst anlegen ist Oldschool. Wir machen uns wirklich kaputt. Die ganzen „Schuhstarrerbands“, die meinen, dass sie ein Geburtsrecht auf Applaus hätten, nerven mich. So sind wir nicht. Wir haben eine Aufwärmphase von drei Sekunden, die erwarten wir idealerweise auch von unserem Publikum und dann kreist der Hammer. Wir glauben an nichts anderes als an uns selbst und an Rock`n Roll und wenn wir überhaupt eine Message haben, dann die: „Glaub an Dich selbst, mach Dein Ding, lass Dir nix erzählen, schon gar nicht, wie Du Dein Leben zu leben hast.“ Wir geben das bestmögliche und selbst wem wir nicht gefallen, der wird niemals sagen, dass wir nicht alles versucht und gegeben hätten. Das ist unser Ziel.

 

m/o: Jetzt kommen wir auf den Hass zurück: Ihr habt auf eurer Facebookseite, als ihr die Nachricht bekommen habt, dass ihr auf 48 eingestiegen seid, eine Videobotschaft gepostet. Am Ende dankst Du der Thrash-Gemeinschaft in Deutschland, speziell der „Splittergruppe Altenessen“ für den ganzen Hass. Wie ist das zu verstehen?

Brings: Das ist ein bisschen mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Aber es kommen halt bis heute von den absoluten SODOM-Hardlinern Breitseiten.

 

m/o: Aber die kommen nur von den Fans, oder auch von der Band?

Brings: Nein, quatsch, von der Band gar nicht, nur von Fans und da auch nur von einigen. Mit SODOM selbst ist alles in Ordnung, ich habe vor 10 Jahren noch mal ein SODOM-Album produziert, 2010 ein ONKEL TOM-Album. Da ist nach wie vor viel Respekt im Umgang miteinander und Tom hat sich auch über das Album und unseren Erfolg gefreut.

 

m/o: Legst Du denn die alten Scheiben ab und zu noch auf?

Brings: Ja klar, ich höre das gerne. Ich bin auch aktiv damit beschäftigt, „Tapping The Vein“, mein erstes SODOM-Album, meine erste Platte überhaupt neu zu mischen. Die wollen wir zu irgendeinem Jubiläum (rechnet kurz nach) warte mal, 25 Jahre ist dieses Jahr, das schaffen wir nicht mehr, aber irgendwann bringen wir die noch mal raus. Wir haben das digitalisiert und mischen die noch mal neu. Das ist eine sehr intensive Erfahrung, wer kann schon 25 Jahre später noch mal in die eigenen Gitarrenspuren und die ganze Produktion von damals so wieder eintauchen? Ich habe die Scheibe mit gemacht, da war ich ja noch ein Kind, aus heutiger Sicht. Ich war noch aktiver Schüler, in der 13ten Klasse, als wir das Ding aufgenommen haben. Ich hör da nach wie vor gerne rein, auch wenn ich nachts auf Spotify hängen bleibe, da werden mir dann immer wieder auch SODOM oder TRACEELORDS empfohlen und dann häng ich da, skippe Stücke durch und freu mich. Ich hänge dem nicht nach., denke aber schon: „Cool, haste gemacht.“

 

m/o: Am Ende eines Interviews hat auf jeden Fall der Künstler das Schlusswort. Hast Du noch was zu sagen, vielleicht zur Tour, die ab dem 18.4. weitergeht und Station macht in Düsseldorf, Köln, München, Berlin, Leipzig und Frankfurt?

Brings: Die Message ist: Wenn ihr gar nicht mehr wisst wohin, kommt zu uns, ihr werdet es nicht bereuen. Wir treten euch in den Arsch, dass es nur so qualmt und wir werden danach alle Freunde sein.

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