CD & DVD-REVIEWS:

MR. BIG – Defying Gravity

Die US-Zockertruppe MR. BIG meldet sich mal wieder zu Wort. Bei „Defying Gravity“ bleibt sie aber unter ihren Möglichkeiten. Nicht spielerisch, aber kompositorisch, stellt unser Rezensent fest.

BLIND GUARDIAN - Live Beyond The Spheres

Haben Hansi Kürsch und Co mit mit „Live Beyond The Spheres“ ein gutes Live-Album raus gehauen? Nein, findet unser Rezensent. Es ist ein Meilenstein!

ACCEPT – „The Rise Of Chaos“

ACCEPT haben die vierte Langrille mit Sänger Mark Tornillo am Start. „The Rise Of Chaos“ist eine gute, aber keine überragende Scheibe, befindet unser Rezensent HIER:

Joe Bonamassa - Live At Carnegie Hall

Joe Bonamassa serviert (mal wieder) ne Live-Scheibe. Diesmal ohne Strom., wie HIER zu lesen ist.

DEAD MEMORY – Welcome To My Fairytale

Die Essener Rocker DEAD MEMORY legen mit „Welcome To My Fairytale“ ist ein richtig gutes Rockalbum vor - finanziert per Crowdfundig. Hat sich gelohnt, findet unser Rezensent.

DEAD MEMORY starten durch. Fotos: DEAD MEMORY
DEAD MEMORY starten durch. Fotos: DEAD MEMORY

IM GESPRÄCH: DEAD MEMORY

Von der Crowd getragen

Der ehemaligen Wartesaal im Bahnhof Essen-Borbeck ist heutzutage der Treffpunkt des gemeinnützigen Vereins „Zug um Zug e.V.“, der sich vor allem um Kinder und Jugendliche im Stadtteil kümmert. Die Räumlichkeiten werden vom Verein auch für Feiern vermietet und dies haben DEAD MEMORY genutzt,  um eine Pre-Release Party zu ihrem neuen Album „Welcome To My Fairytle.“ zu veranstalten. Die Karten zu diesem Event waren teil des Crowdfunding-Projekts zur Finanzierung des Albums über das wir hier bereits berichtet haben. Dementsprechend war der harte Kern der DEAD MEMORY-Fans an diesem Abend anwesend – und wie die Band in bester Laune. Zunächst verlief der Abend wie Parties so verlaufen: Musik läuft im Hintergrund, überall Gespräche, freudige Begrüßungen und schnell zu den Stern Pils Mädels gehen, um eine Flasche aufplöppen zu lassen. Denn tatsächlich haben DEAD MEMORY in der Essener Brauerei einen Sponsor gefunden, der sie schon seit langem begleitet. Gitarrist Woodie antwortet auf die Frage, wie es zu dieser Kooperation gekommen ist: „Eine Riesengeschichte: Es müsste Anfang der 2000er gewesen sein, da gab es eine Sendung bei Radio Essen, die hieß Herzflimmern mit dem Moderator Björn Schüngel. Da habe ich mal mit gemacht. Björn hat auch eine Marketing Agentur, die auch für Stern Pils arbeitet. Als wir uns dann im Rahmen einer Werbeaktion wieder getroffen haben, ein Bilderrätsel, das ich gewonnen habe, ist die Idee entstanden, sich gegenseitig zu unterstützen und so entstand dann der Sponsorvertrag. Seitdem ist Stern Pils immer dabei.“ Für den feuchtfröhlichen Teil der Veranstaltung ist also gesorgt, für die Musik ist das Quartett selbst verantwortlich. Was an diesem Abend ein wenig schwieriger ist als sonst: Ausgerechnet an diesem Abend liegt der zweite Gitarrist Gerrit mit einer Nierenentzündung im Krankenhaus, die Jungs müssen zu dritt auf die Bühne. Kurz vorher haben wir noch mit Woodie, David und Jo gesprochen:

 

m/o: Ihr seid jetzt seit 2013 zusammen. In dieser Zeit erschien eine EP und ein Album, das zweite ist bald da. Habt ihr das Gefühl, dass es alles passt, dass ihr zusammen bleibt und nicht mit zig Besetzungswechseln durch die Weltgeschichte tingelt?

David: Ich glaube schon, wenn nicht einer aufhört, weil es wegen Beruf oder Familie sein muss. Das hatten wir ja mit Christian (der Vorgänger von Gerrit an der Gitarre, Anm. d. A), der ist selbständig, Vater geworden und dann ging es halt irgendwann nicht mehr. Und vor den Aufnahmen zu „Cinderella“ hat er dann den Cut gemacht und dann mussten wir schnell Ersatz finden. Den haben wir dann mit Gerrit gefunden.

 

m/o: Auf was dürfen sich die Hörer des neuen neuen Albums „Welcome To My Fairytale“ freuen?

David: Ich finde, die Songs sind deutlich ausgereifter als bei „Cinderella.“ Wir haben mit „Sleepless“ einen Song dabei, den ich schon vor zehn Jahren geschrieben habe, der es aber nie in das Repertoire geschafft hat, auch nicht bei den anderen Bands, mit denen ich unterwegs war. Jetzt bei den Aufnahmen ist Woodie darüber gestolpert und gesagt, dass wir den Song mitnehmen müssen. Aber der hat noch nie funktioniert und darum war ich skeptisch. Aber der ist jetzt richtig gut geworden und ich bin froh, dass Woodie da so dran war. Grundsätzlich ist wieder eine gute Portion Rock drauf, mit wesentlich tiefgreifenderen Texten. Es gibt einige Neuerungen und trotzdem den DEAD MEMORY Stil. Wir spielen ja später ein paar Stück im Rohmix, fertig wird es wohl erst im Juli sein. Aber man kann hören, wohin die Reise geht. Wir haben auch ein Duett mit einer guten Freundin von mir dabei. Das ist so ein kleines Epos, heißt „Black Star“ und ist ein bisschen die Verwirklichung eines Traums. Ich wollte immer mal son sieben Minuten Stück schreiben und das hab ich jetzt. Sogar mit Streichern, auch wenn man die heute im Rohmix noch nicht hören wird.

 

m/o: Wenn man so ein Crowdfunding-Projekt startet, macht man das in in erster Linie deshalb, weil Musik machen ein teurer Spaß ist. Obwohl DEAD MEMORY dem interessierten Publikum ja mittlerweile durchaus bekannt ist, seid ihr meilenweit davon entfernt, von der Musik leben zu können. Rechnet ihr damit, irgendwann große Stars zu sein?

David: Ich glaube, das ist ein Faktor, warum diese Band zusammen ist und es wahrscheinlich auch weiter sein wird, weil wir genau das nicht tun. Wir wissen alle wo wir stehen, nämlich mitten im Leben. Wir wollen gerne auf großen Bühnen spielen, das ist ein Erlebnis für sich und wir nehmen alles mit. Du kannst mit Musik kaum noch reich werden, dafür brauchst Du zwei, drei absolute Megaknaller und wir bleiben doch lieber in der Realität. Wenn wir mit plusminus null aus der Albumproduktion raus kommen und ab und zu spielen dürfen, dann sind wir zufrieden.

 

m/o: Euer Crowdfunding war erfolgreich. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Jo: Naja, so ein Album zu finanzieren ist nicht leicht. Mit allem, was da so dran hängt, ist das ziemlich teuer. Und wir mussten uns überlegen, wie wir das machen. Ich bin mir gar nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es war Gerrit, der mit der Idee ankam. Er hatte halt von verschiedenen Bands gelesen, die das so gemacht haben und war der Meinung, dass das ne gute Sache ist, die wir auch ausprobieren sollten.

 

m/o: Das Ziel von 5.000 Euro habt ihr nicht erreicht, aber ihr seid über 4.000 Euro gekommen. Damit könnt ihr gut leben, vermute ich?

Jo:Das Album kommt auf jeden Fall. Die unterste Schwelle lag ja bei 3.000 Euro, das ist das Geld, das in das Album fließt. Alles was darüber hinaus geht, lassen wir in die Bühnenshow fließen, so lautete der Plan. Dadurch, dass wir bei über 4.000 gelandet sind, wird es einige Überraschungen bei der nächsten Tour geben, einige Neuheiten werden auf der Bühne passieren.

m/o: Wann startet die Tour?

Jo: Im Juni, bzw. Juli, wenn dann auch endlich die CD rauskommt. Ab diesem Zeitpunkt werden wir dann einiges präsentieren und wir werden gut anderthalb Jahre unterwegs sein, vermute ich mal.

m/o. Ich habe euch auch schon auf Konzerten von „Essen stellt sich quer“, bzw. bei Demos gegen Nazis spielen sehen. Wie wichtig ist euch so etwas?

Woodie: Das bedeutet uns sehr viel. Meine alte Band wollte immer unpolitisch bleiben. DEAD MEMORY ist aber schon auch politisch ausgerichtet. Wir denken und fühlen schon eher Links. Rechts ist kacke, das braucht kein Mensch und wenn jemand auf uns zukommt und sagt, dass er eine Veranstaltung hat und die geht gegen Rechts, dann sind wir definitiv dabei. Wir wollen das Zeichen setzen, dass die rechte Scheiße keine Zukunft hat. Geht auf jeden Fall am Sonntag alle wählen. Jeder, der nicht wählt, wählt letztlich Rechts, also ab ins Wahllokal am Sonntag!

m/o: Du kommst ursprünglich von DYORA, eine Band, deren Erfolgskurve auch durchaus nach oben gezeigt hat. Wie bist du zu DEAD MEMORY gekommen?

Woodie: Richtig, die Kurve bei DYORA ging in kurzer Zeit recht steil nach oben. Mit dem Song „Welcome To My Show“ ging es richtig ab. Aber innerhalb der Band gab es Spannungen. Jo war vorher auch bei DYORA und er wurde raus geschmissen, ein Schritt, den ich nicht mitgetragen habe. Ich hatte mit Jo weiterhin guten Kontakt und es gab immer mehr Brüche in der Band. Ich bin dann irgendwann ausgestiegen, daraufhin ist auch Sänger Dome ausgestiegen. Das wiederum hat bei mir zum Wiedereinstieg geführt, denn Dome war der Faktor, der zu meinem Ausstieg geführt hat. Wir waren dann wieder vereint, haben aber keinen Sänger gefunden, der auch nur annähernd an Dome herangekommen wäre, denn so schwierig er auch menschlich ist, so großartig ist er als Sänger. Naja, ich habe dann gesagt, dass ich mir solange, wie wir mit der Suche nach einem adäquaten Sänger nicht weiter kommen, such ich mir eine andere Band. Das war dann die Entstehungsphase von DEAD MEMORY. David und Christian haben sich von ihrer alten Band getrennt und Jo war auch immer noch frei, ich war auf der Suche. David hat mich angerufen und gefragt, ob ich Bock auf was neues hätte. Wir vier haben uns dann getroffen. Wir haben geprobt und bei dieser ersten Probe sind direkt drei Songs entstanden. Da haben wir dann gesagt, dass sich das gut anfühlt und das wir das machen.

 

m/o: Und dieses gute Gefühl hält bis heute an? Du hast Gefühl nun in der richtigen Band zu sein?

Woodie: Auf jeden Fall! Es ist mittlerweile eine echte Freundschaft mit allen entstanden. Unsere Band ist kein Projekt, sondern das sind vier Jungs, die sich gefunden haben. Das beziehe ich Gerrit mit ein. Christian ist leider aus privaten Gründen gegangen, aber wir sind dennoch alle echte Freunde. Auch unsere Freundinnen sind mittlerweile untereinander befreundet und wir sind alle zusammen ein tolles Gespann, das richtig gut funktioniert.

m/o: Was erwartest Du für den Auftritt gleich?

Woodie: Ich bin so nervös wie selten vorher. Ich habe ja schon so um die 250 Auftritte gehabt, aber heute bin ich unglaublich nervös, es kribbelt total. Ich weiß halt nicht, wie die neue CD ankommt und lass mich da jetzt überraschen.

Nach diesen Worten geht es los und der Verlauf ist durchaus überraschend. Denn was DEAD MEMORY nun in ihrem rund 75-minütigen Akustikgig präsentieren sind zwar einige ihrer eigenen Songs, aber zum Großteil sind es nationale und internationale Hits, die dargeboten werden. Dabei ist auch die musikalische Spannbreite beeindruckend, zumindest hat von uns vorher noch niemand einen fließenden Übergang von „Run To The Hills“ zu „Barbie Girl“ erlebt. Wenn dazu noch Konfettikanonen und eine Seifenblasenmaschine kommen, dann hat man das, was DEAD MEMORY selbst als „Entertainment -Rock“ und als ihren Stil bezeichnen. Selbst akustisch führt dies zu absolut ausgelassener Stimmung, da kann man sich kaum ausmalen, was passiert, wenn Strom auf die Gitarren kommt. Mit der Eigenkomposition „White Rabbit“ beenden DEAD MEMORY ihren Gig und gehen unter wildem Jubel von der Bühne. Dass es ein guter Auftritt war, sehen alle drei so. Zumindest stehen die Jungs ordentlich unter Strom, als sie die Bühne verlassen.

Woodie: Es war super geil. Die Leute hatten ne Menge Spaß, wir auch und jetzt freue ich auf die Präsentation, die gleich kommt.

Jo: Ich sehe das genauso. Es war ein richtig geiles Konzert, wir hatten richtig Spaß, die Menge hatte richtig Spaß, es wurde total viel mit gesungen, wir haben einige spontane Sachen gemacht, die richtig gut ankamen. Es war einfach ne geile Show, hat richtig Bock gemacht.

David: Es war mega gut. Ich hätte nicht gedacht, dass die Leute so mitgehen. Und wenn das wie heute Abend so ein bisschen exklusiv ist, dann kann man auch mal zwei, drei Cover spielen (alle lachen). Diese Unpluggeddinger machen richtig Bock, weil vieles so spontan ist. Und wenn Woodie mit seiner Rockröhre „Sexy“ gröhlt, dann ist das Hammer.

Jo: Der Woodie ist halt ein Stadiongröhler, da ist das der perfekte Song für ihn. (Gelächter)

David: Also, um es jetzt noch mal auf den Punkt zu bringen: Alles hat gestimmt, es war einfach toll. Und nun müssen wir mal zu Präsentation übergehen.

Somit geht es über zur Präsentation des Rohmixes von „Welcome To My Fairytale.“ Und die hatte es in sich, trotz teilweise noch fehlender Instrumentierungen und noch nicht erfolgter Lautstärkenabstimmungen und ähnlichem. Der Opener „Behind Enemy Lines“ heizt ein und tut genau das, was ein Opener machen muss, nämlich Lust auf mehr wecken. Und der Abschlusssong „Black Star“ ist ein absoluter Hammer. Es ist das von David schon erwähnte Epos, das Duett mit seiner guten Freundin Matthea, die während der Präsentation auf die Bühne kommt und den Song gemeinsam mit David live mit singt. Ein Gänsehautmoment, der um so mehr wirkt, wenn man sich vor Augen führt, dass Synthieeffekte und Streicher, die zum Song gehören, in dem Rohmix noch nicht vorhanden sind. Was wir bereits hören durften, macht Lust auf das fertige Album, das im Juli erscheint. Wir werden euch auf dem Laufenden halten. -Markus Renner

 

Mehr zum Thema:

10.06.2017: Rock am Bahnwerk, Gelsenkirchen

01.07.2017: Releaseparty, Don´t Panic, Essen

14.07.2017 RUB-Sommerfest, Bochum

 

Weitere Infos:

www.dead-memory.de

www.facebook.com/DeadMemoryband/