CD & DVD-REVIEWS:

Chris Rea - Road Songs ForLovers

Chris Rea meldet sich trotz herber gesundheitlicher Rückschläge wieder mit einer neuen Scheibe zurück. Auf „Road Songs For Lovers“ geht es wiederum extrem entspannt zur, wie unser Rezensent feststellt.

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

Hat noch immer Spaß: Francis Rossi. Fotos: Niels Holger Schmidt.
Hat noch immer Spaß: Francis Rossi. Fotos: Niels Holger Schmidt.

IM GESPRÄCH: Francis Rossi / STATUS QUO

Die letzte Runde, die nicht die letzte war

Mit einer weiteren Live-Scheibe erfreuen die britischen Rock-Veteranen STATUS QUO ihre Anhängerschaft dieser Tage. Darüber plauderten wir mit Bandleader Francis Rossi.

Unersetzlich: Rick Parfitt
Unersetzlich: Rick Parfitt

Genaugenommen ist die Band, die „The Last Night Of The Electrics“ vorlegt, eher ein Echo der Truppe, die grandiose Klassiker wie „Down Down“ oder „Caroline“ geschaffen hat. Meister Rossi ist das einzige verbliebene Originalmitglied. Und so klafft – obwohl die aktuellen QUO auf der Live-Platte erstklassig und engagiert aufspielen – in diesem Album eine gigantische Lücke. Und diese hat einen Namen: Rick Parfitt. Weder seine ruppig-präzisen Rhythmus- gitarrenhiebe, noch sein heiser-rockiger Gesang können ersetzt werden, auch wenn sich sein Ersatzmann Richie Malone wirklich müht und handwerklich erstklassig schlägt.

Eigentlich hatte die „The Last Night Of The Electrics“-Tour krönender Abschluss der elektrischen Laufbahn der Veteranen sein sollen. Fürderhin wollte man sich auf akustische Klänge konzentrieren, wie man dies ja schon auf zwei Platten praktiziert hatte.

 

"Es ist jetzt irgendwie merkwürdig einsam, denke ich“, sagt Rossi.
"Es ist jetzt irgendwie merkwürdig einsam, denke ich“, sagt Rossi.

Doch nahm die Bandgeschichte im Sommer 2016 eine überraschende Wendung. Parfitt erlitt nach einem Auftritt einen sehr schweren Herzinfarkt. Danach musste er die Telecaster an den Nagel hängen. Die weiteren Konzerte mussten ohne ihn stattfinden. Und an seinen gesundheitlichen Problemen verstarb er letztlich auch Weihnachten 2016.

„Das war natürlich sehr traurig. Aber auf der anderen Seite muss das Leben weitergehen. Ich erinnere mich an den Tod meiner Mutter und meines Vaters. Ich ging zur Beerdigung und danach zur Probe“, sagt Francis Rossi, der letzte Ur-QUO und Langzeitpartner von Parfitt, rückblickend dem Musical Observer. Er und Parfitt hätten oft Scherze darüber gemacht wer wohl zuerst von beiden sterben werde. „Aber solche Witze helfen natürlich auch nicht über die bittere Realität hinweg. Es ist jetzt irgendwie merkwürdig einsam, denke ich“, so Rossi weiter.

Langzeitpartner: Rossi & Parfitt.
Langzeitpartner: Rossi & Parfitt.

Wenn man einen Partner so lange Zeit habe, werde einem im Zusammenspiel manchmal klar, was man eigentlich will, auch wenn man diskutiere. Und es sei einfach anders, wenn diesen Gegenpart nicht mehr da ist, mit den man auch mal zusammenprallen könne, meint Rossi nachdenklich. Und trotzdem: „Es ist frustrierend, aber das Leben muss weiter gehen“, findet er noch immer. Und so geht es auf der aktuellen Scheibe auch einfach weiter. Denn die Rest-QUO zogen ihren Stiefel gnadenlos und routiniert durch, als sie in der Londoner O2 Arena zur Tat schritten, um die Live-Scheibe mitzuschneiden. Wohlgemerkt: Es sind die QUO der letzten drei Jahrzehnte, die zunehmend entspannter daher shuffeln. Musik, die sich eher zum Fuß wippen, als zum Headbangen eignet. Denn auch wenn echte Rocker wie „Down Down“ oder „Roll Over Lay Down“ gegeben werden, hat diese Band eigentlich nichts mehr mit den rauen Rockern der „Frantic Four“-Jahre gemein. Das wird sehr deutlich, wenn man die gerade in einer Deluxe-Fassung wiederveröffentlichte epochale Scheibe „Blue for You“ hört. „Weißt du, warum ‚Blue for You’ so aufgekratzt und kantig ist: Weil wir alle auf Speed waren“, sagt Rossi heute und findet die damaligen Produktionsstandards ziemlich dürftig, auch wenn Fans die Scheibe bis heute lieben:

Rossi wünscht sich die "Frantic Four" nicht zurück.
Rossi wünscht sich die "Frantic Four" nicht zurück.

„Viele unsere Fans hassen zum Beispiel die ‚Rockin all over the World’-Platte, weil die erstmals ordentlich produziert war. Aber es war die erfolgreichste Scheibe“, glaubt er. In seinen Augen ist „On the Level“ der Prototyp eines QUO-Albums. Hier stimme die Balance zwischen hartem Rock, Pop, Blues und Country. „Die meisten Leute mögen nur eines dieser Genres. Ich mag sie alle. Und auf ‚On the Level’ ist der Blend perfekt, da ist auch nicht zu viel von dieser harten Macho-Man-Masche“, ist Rosse sicher.

Und deshalb vermisst er die alten Zeiten auch nicht. „Ich lebe heute. Und ich hatte gestern Abend so ein fantastisches Gefühl auf der Bühne. Warum sollte ich aufhören? Es ist eben das, was ich tue“, sagt er und macht tatsächlich nicht den Eindruck, dass er jemals an die Rocker-Rente denken könnte.

Und zwischen den aggressiven QUO der „Frantic Four“-Jahre und den heutigen lägen einfach 40 Jahre, bessere spielerische Fähigkeiten und bessere Aufnahmetechniken, findet er.

Und in Rossis Augen hat der nach Parfitts Ausscheiden unvermeidliche Besetzungswechsel eher dazu geführt, dass die Band sich mehr konzentriert und sich nicht mehr in der Sicherheit Jahrzehnte langer Routine ausgeruht habe. „Es ist natürlich anders ohne Rick, aber es ist nicht schlechter“, insistiert Rossi.

Und so wird es – anders als ursprünglich geplant – auch nicht die letzte elektrische Gastspielreise von QUO gewesen sein, wie Rossi klarmacht: „Es sollte die letzte elektrische Runde sein. Aber diese Pläne hatten mit Ricks schlechter werdender Gesundheit zu tun.“ Und so werden sie uns wohl noch länger erhalten bleiben, einerseits die weiter aufspielenden altersmilden QUO um Rossi, andererseits das ruppige Quartett gleichen Namens – letzteres allerdings nur unseren Erinnerungen und ihren Alben. -nhs

 

Das wird gegeben:

01. Caroline

02. The Wanderer

03. Something About You Baby I Like

04. Rain

05. Softer Ride

06. Beginning Of The End

07. Hold You Back

08. Proposin’ Medley

09. Paper Plane

10. The Oriental

11. Creepin' Up On You

12. Gerdundula

13. In The Army Now

14. The Caveman

15. Roll Over Lay Down

16. Down Down

17. Whatever You Want

18. Rocking All Over The World

19. Burning Bridges

20. Rock and Roll Music/Bye Bye Johnny