CD & DVD-REVIEWS:

Chris Rea - Road Songs ForLovers

Chris Rea meldet sich trotz herber gesundheitlicher Rückschläge wieder mit einer neuen Scheibe zurück. Auf „Road Songs For Lovers“ geht es wiederum extrem entspannt zur, wie unser Rezensent feststellt.

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

Fotos: Niels Holger Schmidt.
Fotos: Niels Holger Schmidt.

IM GESPRÄCH:  Wolf Hoffmann (ACCEPT)

40 Jahre am Amboss

Wolf Hoffmann ist das dienstälteste Mitglied von ACCEPT und mit seinem virtuosen Gitarrenspiel in hohem Maße für den Erfolg der Band mitverantwortlich. Im Telefoninterview unterhielt er sich mit unserem Mitarbeiter Markus Renner nicht nur über Musik, sonder auch über eine chaotische politische Weltlage.

m/o: Du bist zusammen mit Peter Baltes das dienstälteste Mitglied von ACCEPT. Wir lassen mal die verschiedenen Auflösungen der Band weg und behaupten es sind 41 Jahre, die Du bei ACCEPT bist. Wenn Du auf diese Zeit zurück schaust, was ist ACCEPT für Dich?

Wolf Hoffmann: In dem Sinne mein Leben. Ich war ja nie in irgendeiner anderen Band. Das ist ja auch relativ selten. Ich bin eingestiegen, als ich 16 war und bin nie ausgestiegen. Klar gab es ACCEPT dann zwischendurch mal nicht, weil mehr oder weniger alle anderen ausgestiegen sind, aber ich war immer dabei. Umso mehr freu ich mich natürlich, dass es uns wieder gibt und über den „Neustart“, der ja auch schon wieder 9 oder 10 Jahre anhält. Ich bin total happy wieder so gut dabei zu sein, das alles wieder so gut läuft. Ja, im Grunde ist diese Band mein Lebensinhalt.

 

 

m/o: Du hast es gesagt, die „neuen“ ACCEPT gibt es mittlerweile auch schon wieder rund 10 Jahre. Wenn Du zurück in die Vergangenheit blickst, ohne dass wir darüber groß reden wollen, die ganzen Auflösungen, Diskrepanzen, Umbesetzungen, Neubesetzungen: Würdest Du Dich trauen zu sagen, wir haben jetzt das Band Line-Up, das bis zum Schluss Bestand haben wird oder würdest Du immer noch sagen, dass man nie nie sagen soll?

 

Hoffmann: Naja, letztlich ist es wie in einer Firma. Keiner kann in die Zukunft blicken. Ich hoffe, dass es dabei bleibt, denn ich finde, dass wir ein super Line-Up haben und wir fühlen uns auch besser denn je. Ich hoffe nicht, dass es immer ein Kommen und Gehen wird, das wäre sehr schade. Aber wie gesagt, ich kann nicht in die Zukunft schauen. Man muss aber auch mal sehen, dass 40 Jahre eine verdammt lange Zeit sind. Es ist absolut selten, dass sich eine Band, die sich im Teenageralter gegründet hat, ihr Leben lang zusammen bleibt, das ist so gut wie ausgeschlossen. Die Leute gründen Familien, Interessen ändern sich, es ist doch ganz normal, dass der ein oder andere im Lauf der Jahrzehnte da mal aussteigt. Im Moment fühlen sich alle super, das ist das, was wichtig ist. Ich hoffe, es bleibt so, wie es ist.

 

m/o: Seid ihr denn in der Band alle gleichberechtigt oder ist Wolf Hoffmann der Chef, derjenige, der schon den Ton vorgibt?

Hoffmann: Ja logisch! Uwe Lulis und Christopher Williams sind beide vor zwei Jahren dazu gekommen. Die sind in eine Band gekommen, die seit 40 Jahren arbeitet, meine Frau Gaby managt das Ganze fast genau so lange und das ist so eine Art Familienunternehmen. Natürlich gibt es da gewisse Regeln und wenn ich da als neues Mitglied einsteigt, dann weiß ich von vornherein, dass ich da erst mal nicht so viel zu sagen habe. Ganz demokratisch, nach dem Motto „jetzt sind wir alle gleich“ läuft es nicht und so kann es auch gar nicht gehen. Ich würde es tatsächlich als Familienunternehmen charakterisieren, da gibt es dann auch eine natürliche Rangfolge.

 

 

m/o: Ihr seid ja nun schon wieder eine lange Zeit auf Tour, habt nun eine Pause, aber bald geht es weiter, mit wieder reichlich Terminen vor der Brust. Nun seid ihr ja kein 20 mehr: ist das Touren mittlerweile Qual und anstrengende Arbeit? Oder findest Du es immer noch so geil, dass Du es auf keinen Fall missen möchtest?

 

Hoffmann: Ich verstehe nie so ganz, warum manche Leute davon ausgehen, das es keinen Spaß machen würde oder zu viel Arbeit ist. Dieses bei einigen Musikern so beliebte Gejammere wirst Du von uns nicht hören. Wir würden es nicht machen, wenn wir es nicht gerne machen würden! Es wird ja von einigen oftmals behauptet, dass eine Tour ach so viel Arbeit macht und total anstrengend ist, aber im Grunde genommen ist das alles piece of cake. Auch wenn man nicht mehr zwanzig ist. Wenn überhaupt irgendetwas anstrengend ist, dann sind es die Flugreisen, die sind echt ein bisschen nervig. Aber das liegt in der Natur der Sache, das wäre genau so nervig, wenn ich noch zwanzig wäre. Es macht einfach keinen Spaß mehr, so lange Flugreisen zu machen, weil die Umstände immer schlechter werden. Aber der ganze Tourablauf, mitsamt dem ganzen Apparat, der da dran hängt, das auf der Bühne stehen, das macht genauso viel Spaß wie früher. Das steht absolut außer Frage.

 

 

m/o: Wird es irgendwann auch mal eine Tour mit Deinem Nebenprojekt „HEADBANGERS SYMPHONY geben? Oder ist das unrealistisch, weil Du dann ständig ein ganzes Orchester auf die Bühne holen müsstest?

 

Hoffmann: Eine Tour mit einem kompletten Orchester ist sicher eher unrealistisch. Was ich mir aber vorstellen kann, dass man so etwas wie in Wacken vielleicht in kleinerer Form wiederholt. Hier und da, in Special Locations, vielleicht mit lokalem Orchester. Dass man sagt, man fährt jetzt nach was weiß ich, Moskau oder Wien oder sonstwohin und spielt da mit einem lokalen Orchester, statt mit einem 50-köpfigen Orchester zu reisen. Da wäre der Aufwand viel zu groß, das lässt sich kaum realisieren.

 

 

m/o: Würdest Du der These zustimmen, dass Du, wenn Du kein Musiker geworden wärst, Du  Fotograf geworden wärst?

 

Hoffmann: Ich war ja Fotograf, ich habe das schon rund zehn Jahre lang hauptberuflich gemacht. In der Zeit, als ACCEPT nicht aktiv war, bin ich Vollprofi-Fotograf gewesen und habe meinen Lebensunterhalt damit freudigst und erfolgreich verdient. Ich habe das wieder an den Nagel gehängt, weil ACCEPT wieder in den Vordergrund getreten ist und wenn ich die Wahl zwischen beidem habe, dann bin ich lieber Musiker, gar keine Frage. Ich kann Dir auch sagen warum: als Fotograf ist man zwar kreativ unterwegs und das macht auch Spaß, aber es hat nicht die gleiche Wertigkeit, wie Musik. Wir machen Musik und Platten, die Jahrzehnte überdauern und man hat das Gefühl, was man jetzt macht, das hält auch. Viel länger als ein Foto, das letztlich Wegwerfware ist.

 

m/o: Vor allem im digitalen Zeitater.

 

Hoffmann: Ja klar, war es aber früher auch schon. Es sei denn, Du bist jetzt Richard Avedon oder einer der ganz wenigen weltberühmten Fotografen. Als normaler Profifotograf fällt das schon alles unter den Tisch und es bedeutet nicht wirklich etwas.

 

 

m/o: Apropos Bedeutung: Welches ist Dein persönliches ACCEPT Lieblingsalbum?

 

Hoffmann: Ich glaube nicht, dass es das in dem Sinne gibt. Jedes Album ist letztlich ein Abbild der Zeit, in dem es entstanden ist. Das aktuelle Album ist halt der Punkt, wo wir jetzt stehen., in diesem Zeitalter. Wenn ich zurückblicke in die 80er Jahre, das waren ganz andere Umstände, da gab es ne andere Besetzung, da waren viele Dinge so anders. Ich glaube nicht, dass es ein Album gibt, das über alle anderen hinaus ragt. Für mich zumindest nicht. Da ist keines, von dem ich sagen würde, das ist so ultimativ und alles andere verblasst dagegen.

 

 

m/o: Die aktuelle Scheibe ist vom musikalischen her ein gutes, solides Stück ACCEPT. Textlich wird es politischer, was wahrscheinlich auch der aktuellen Weltlage geschuldet ist, oder?

 

Hoffmann: Ja klar, wir haben ja durchaus immer Texte gemacht, die sich mit reellen politischen und sozialen Fragen beschäftigen und keine Fantasy-Stories erzählen, wie es ja einige Kollegen machen. Die Weltlage ist chaotisch und darum fühlte sich der Titel „The Rise Of Chaos“ auch direkt zeitbezogen und aktuell an. Wir haben aber kein Konzeptalbum gemacht und sind auch keine politische Band. Wir wollen auch niemanden belehren und es geht uns letztlich immer mehr um die Musik. Aber Du hast recht damit, dass es schon politischer angehaucht ist. Aber mehr nicht.

 

 

m/o: Du lebst in den U.S.A. Ist da irgendetwas von dem politischen Wandel zu spüren? Bemerkst Du im Alltagsleben, wenn Du über die Straße gehst und mit Menschen redest, dass der Präsident ein anderer ist?

 

Hoffmann:  Überhaupt nicht. Wenn ich mich nicht dafür interessieren würde, würde ich davon nichts mitbekommen. Man merkt davon so viel, wie man merken will. Genau wie in Deutschland, auch da gibt es Leute, die nie Nachrichten sehen und sich nicht für Politik interessien und die kriegen halt von alldem gar nichts mit. Und es gibt die Leute, die sehr interessiert sind und alles mitkriegen. Ich bin nun mal interessiert an der Welt und schaue Nachrichten und informiere mich. Für mich ist es interessant die deutschen Nachrichten online zu sehen, aber auch die lokalen Nachrichten hier und auch CNN und so. Die Unterschiede in der Berichterstattung sind schon recht interessant.

 

m/o: Was in Deutschland passiert interessiert Dich also noch. Du hast Deutschland nicht in dem Sinne den Rücken gekehrt, dass Du kein Interesse mehr an dem Land hättest? Was hat Dich in die U.S.A. Verschlagen?

 

Hoffmann: Das war eine absolut persönliche Entscheidung. Aber ich bin durch und durch ein Deutscher. Ich könnte auch auf Mallorca oder Ibiza leben, dann wäre ich genauso deutsch. Ich lese deutsch, ich spreche deutsch ich denke deutsch und ich esse sogar oft deutsch, weil meine Frau nach wie vor so kocht.

 

 

m/o: Die politischen Geschehnisse sind in Deutschland ja derzeit ähnliche wie in den U.S.A. Die Ereignisse in Deutschland interessiere Dich nach wie vor?

 

Hoffmann: Absolut und ich finde das spannend und besorgniserregend, was da mit der AfD gerade abgeht. Aber das ist auch in England, in Holland in Österreich und was weiß ich wo sonst noch so. Die Lage ist verrückt im Moment. Und da ist Deutschland eigentlich noch eine relativ ruhige Insel in dem ganzen Chaos. Aber auch dort spürt man es mittlerweile. Die ganze Welt wird extremer, sagen wir es mal ganz vorsichtig.

 

 

m/o: Lass mich nach diesem Exkurs eine musikalische Abschlussfrage stellen: 40 Jahre Karriere. Du hast sehr viele Menschen kennengelernt. Was war Dein wichtigstes Erlebnis oder wer die Persönlichkeit, die dich am meisten beeindruckt hat?

 

Hoffmann: Puhh... Das muss man immer aus der Perspektive sehen. Es gab viele einschneidende Erlebnisse. Eines der ganz wichtigen war ganz am Anfang, als wir 1980 oder 81 mit JUDAS PRIEST unterwegs waren. Das war natürlich für uns kleine Jungs damals natürlich die große, weite Welt und das sind Profimusiker und so wollen wir mal werden. Das war eine tolle Sache. 1984 hatten wir unsere erste Amerika Tour mit KISS. Das war ein ähnliches, nur noch größeres Aha-Erlebnis. Aber je länger man dabei ist, desto weniger lässt man sich von anderen Kollegen beeindrucken. Irgendwann merkt man halt, dass die auch alle nur mit Wasser kochen. Klar gibt es einzelne Persönlichkeiten, die einen in Nuancen immer noch beeindrucken, aber wenn man es genau betrachtet, machen wir ja alle das gleiche, der eine besser, der andere schlechter. Aber am Anfang, wenn man aus dem Probekeller in die große Welt kommt, dann beeindrucken einen die anderen am allermeisten. Das werden Dir wahrscheinlich auch viele andere bestätigen. Die erste große Tour, auf der man ist, die hinterlässt natürlich einen ganz anderen Eindruck als die späteren. Es gibt heutzutage relativ wenig Leute, die mich absolut beeindrucken könnten. Die BEATLES würden mir einfallen. Wenn ich Paul McCartney mal treffen würde, da hätte ich wahrscheinlich weiche Knie und würde Fanboy sein. Aber ansonsten hat man im Laufe der Jahre auch fast alle schon getroffen.

 

 

m/o: Dann hoffe ich, Du freust Dich auf die deutschen Konzerte genauso, wie wir das hier tun...

 

Hoffmann: Auf jeden Fall, das wird ne klasse Tour, glaube ich. Wir freuen uns tierisch. Wir haben auch ein gutes Programm, ne gute Setlist zusammen gestellt. Viele neue Songs vom aktuellen Album, von den letzten vier Alben und die ganzen Klassiker auch. Es ist ein relativ langes Set, fast zwei Stunden. Ich glaube, es wird cool.

ACCEPT unterwegs:

12.1.2018 Hamburg, Mehr! Theater

13.1.2018 Filderstadt, Filharmonie

14.1.2018 München, Tonhalle

16.1.2018 Leipzig, Haus Auesee

17.1.2018 Berlin, Huxleys

19.1.2018 Geiselwind, Event Zentrum

02.2.2018 Saarbrücken, Garage

04.2.2018 Frankfurt/ Main, Batsckapp 

09.2.2018 Oberhausen, Turbinenhalle