CD & DVD-REVIEWS:

URIAH HEEP - Living The Dream

Andere Rock-Dinos nehmen die Rockerrente in den Blick, URIAH HEEP legen mit „Living The Dream“ Studioalbum Nr. 25 (!) vor - und klingen dabei so gar nicht nach Rentnerband.

Eric Clapton: Life In 12 Bars (Soundtrack)

Dieser Tage schaut Eric Clapton in dem Dokumentarfilm „Life In 12 Bars“ auf sein Leben und seine Ausnahmekarriere zurück. Auch der Soundtrack hat es in sich, findet unser Rezensent.

Joe Bonamassa - British Blues Explosion Live

Joe Bonamassa ist bekanntlich ein ziemlich fleißiger Mann. Auf seinem neuen setzt er sich mit den Heroen der “British Blues Explosion” auseinander, also mit Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page. Ganz interessant, findet unser Rezensent.

AYREON – Best of Ayreon live

Die Zockertruppe um Arjen Anthony Lucassen serviert uns mit ihrem Doppellive-Album – wie der Titel schon andeutet – einen livehaftigen Durchmarsch durch ihr Schaffen seit 1995. Mitgeschnitten wurde das ganz bei den 2017er Tilburg-Konzerten. Beeindruckend, findet unser Rezensent.

Gitarrist Mick Box ist noch immer voll motiviert. Fotos: Niels Holger Schmidt
Gitarrist Mick Box ist noch immer voll motiviert. Fotos: Niels Holger Schmidt

IM GESPRÄCH: Mick Box (URIAH HEEP)

"Diese Band ist mein Leben."

URIAH HEEP sind eine Legende. Die britischen Hardrocker haben sich 1969 gegründet und stehen somit kurz vor dem 50-jährigen Bandjubiläum. Allerdings gibt es nur noch ein Gründungsmitglied, den Leadgitarristen Mick Box. Mit ihm plauderte unser Mitarbeiter Markus Renner über Vergangenheit und Zukunft der Rock-Dinos.

 

Mick Box
Mick Box

m/o: URIAH HEEP hat sich 1969 gegründet, wir stehen also kurz vor dem 50-jährigen Bandjubiläum. Du bist das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Was bedeutet Dir diese Band?

 

Box: Natürlich absolut alles. Diese Band ist mein Leben. Egal ob es gerade gut oder schlecht lief, immer war sie bei mir und ich bei ihr. Sie begleitet mich den größten Teil meines Lebens und dementsprechend schwierig ist es, mir ein Leben ohne URIAH HEEP vorzustellen.

 

 

m/o: Du hast viele Bandmitglieder kommen und gehen gesehen. Einige sind im Streit gegangen, andere in gemeinsamen Einverständnis, wieder andere hat sich der Tod geholt. Gab es irgendwann einen Punkt, an dem Du mal aufhören wolltest?

 

Box: Nein, nie. Wie gesagt, diese Band ist mein Leben und egal, ob es gerade gut oder schlecht lief, ich habe nie daran gedacht aufzuhören. Oder auszusteigen und in einer anderen Band zu spielen. Das kam für nie in Frage.

 

 

m/o: Lass uns mal ins Jahr ins Jahr 1987 zurückgehen. Eine Geschichte, die ich persönlich sehr spannend finde: URIAH HEEP war die erste westliche Rockband, die ganz offiziell in der Sowjetunion auftreten durfte. Wie war das, was für ein Gefühl war das? Der Fall des eisernen Vorhangs war ja noch nicht unbedingt absehbar.

 

Box: Das war absolut fantastisch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, weil die Menschen in der Sowjetunion uns so begeistert empfangen haben. Wir wurden überall erkannt, in den Kneipen haben sie unsere Musik gespielt, teilweise haben sie uns unsere Songs auf der Straße entgegen geschmettert. Und das in einem Land, in dem man unsere Musik nur auf dem Schwarzmarkt bekommen konnte. Das war unglaublich. Da sind auch bei uns Vorurteile eingerissen worden. Wir sind ja alle mit dem Bild des bösen Russen aufgewachsen und nun begegnete uns nur Begeisterung und Freundlichkeit. Das ist einfach die Kraft der Musik, anders kann man das nicht erklären. Sie schafft eine Verbundenheit zwischen einander völlig fremden Menschen. Einfach magisch!

Russell Gilbrook
Russell Gilbrook

m/o: David Hasselhoff ist ja überzeugt davon, dass es sein Verdienst ist, dass die Berliner Mauer eingerissen wurde. Ist es nicht tatsächlich euer Verdienst?

 

Box: (lacht) Meint er das wirklich? Nein, unser Verdienst ist es auf jeden Fall nicht. Wir sind als Bandimmer unpolitisch gewesen und werden das wahrscheinlich auch weiter sein. Wir sind einfach nur eine Band, die in Zeiten einer Veränderung, Glasnost ist das Stichwort, Grenzen überwunden hat. Und das wirklich nur durch die Kraft der Musik, nicht mehr, nicht weniger.

 

m/o: Apropos Kraft der Musik. Man trifft auf euren Konzerten alte Rockfans, Fans der ersten Stunde…

 

Box: Aber doch nicht nur. Da sind doch auch viele junge, neue Rockfans.

 

m/o: Genau darauf wollte ich hinaus. Was bedeutet es Dir, dass auch viele junge Leute zu euren Gigs kommen und auf eurer Musik feiern?

 

Box: Das gefällt mir sehr. Und klar, auch da hast Du wieder die Kraft der Musik. Sie verbindet nicht nur unterschiedliche Kulturen, sondern kann auch zwischen den Generationen vermitteln. Wenn die 60-jährigen mit den 20-jährigen feiern, dann ist das toll. Und wenn das wegen uns und unserer Musik passiert, dann fühlt sich das gut an. Und wenn bei „Lady In Black“ alle mitsingen, dann ist das absolut großartig.

 

 Phil Lanzon &  Davey Rimmer
Phil Lanzon & Davey Rimmer

m/o: Naja, oftmals hört man ja, wenn man URIAH HEEP sagt, „Ach ja, Lady In Black.“ Nervt das nicht manchmal auch. Die Band ist doch so viel mehr als nur dieser Song

 

Box: (lacht): Nein, das nervt absolut nicht, im Gegenteil. Es ist absolut großartig. Ich meine, unsere Fans wissen, dass wir mehr gemacht haben und sie haben unsere Alben und kennen unsere Songs. Aber wenn Du so einen Smash-Hit hast, der eigentlich mindestens zwei Genrationen verbindet, dann ist das ein Riesenglück. Und wir haben ja zwei davon, „Easy Livin`“ ist auch ein Hit, den jeder kennt und der auch bei jungen Menschen zum Feiern gespielt wird. Nein, das nervt nicht, wenn Du zwei Songs hast, den Menschen jeden Alters kennen, das ist einfach nur großartig.

 

 

m/o: Kommen wir mal zum neuen Album. „Living The Dream“ ist euer fünfundzwanzigstes Album und erscheint am 14. September 2018. Geht es bei dem Titel um euch, lebt ihr euren Traum?

 

Box: Ja, wir haben das Glück unseren Traum leben zu können. Ich meine, Musik zu machen, die Musik, die viele Menschen auch hören wollen, so dass man sein Leben in der Musik ausrichten kann und sich um nichts Anderes kümmern muss und davon leben kann, das ist traumhaft. Aber auch die Fans, die Menschen, alle sollten versuchen ihren Traum zu leben, dann ist das Leben auch schön und sinnvoll.

 

Bernie Shaw
Bernie Shaw

m/o: Stimmt es, dass das Album bereits im Januar fertig aufgenommen war?

 

Box: Ja, wir haben es in 19 Tagen aufgenommen. Wir haben Jay Ruston als Produzenten gewinnen können und es war eine tolle Zusammenarbeit mit ihm. Wir haben sehr konzentriert in einem guten Klima gearbeitet, es war eine wirklich konstruktive Stimmung, die zu einem schnellen und sehr guten Ergebnis geführt hat. Er hat ein gutes Gefühl dafür, wie ein Song klingen muss.

 

m/o: Ich habe bereits reinhören dürfen. Ihr klingt groovig, rockig, vor allem aber sehr frisch und kraftvoll. Wie lange werdet ihr, wirst Du noch Musik machen?

 

Box: So lange ich es kann! Keine Ahnung, ich kann natürlich keinen Zeitraum angeben, aber so lange es irgendwie geht, will und werde ich Musik machen. Wenn es nicht mehr geht, wird es vermutlich auch mit mir zuende gehen. Und bei den anderen ist es genauso, behaupte ich einfach mal.

 

m/o: Nach fast 5 Jahrzehnten im Business: Würdest Du sagen, dass sich am Schreiben und Einspielen eines Albums etwas verändert hat? Ist Rock auch heute noch Rock?

 

 

Box: Das läuft, zumindest bei uns, immer noch genauso, wie es immer gelaufen ist. Weißt Du, ich schreibe fast täglich an irgendwelchen Songs, Riffs und Melodien rum. Was soll sich daran großartig ändern? Am Prozess des Songwritings und der Aufnahme hat sich nichts geändert, aber das Business selbst hat sich schon gehörig verändert. Aber um das zu besprechen bräuchten wir Stunden. 

UNTERWEGS:

27.10.2018: Fürth, Stadthalle

29.10.2018: München, Circus Krone

30.10.2018: Stuttgart, Leiderhalle

02.11.2018: Saarbrücken, Garage

03.11.2018: Trier, Europahalle

04.11.2018: Offenbach, Capitol

06.11.2018: Essen, Lichtburg

09.11.2018: Regensburg, Audimax

10.11.2018: Ravensburg, Oberschwabenhalle

12.11.2018: Hamburg, Docks

13.11.2018: Leipzig, Haus Auensee

14.11.2018: Dresden, Schlachthof

15.11.2018: Hannover, Capitol

16.11.2018: Berlin: Admiralspalast