CD & DVD-REVIEWS:

Chris Rea - Road Songs ForLovers

Chris Rea meldet sich trotz herber gesundheitlicher Rückschläge wieder mit einer neuen Scheibe zurück. Auf „Road Songs For Lovers“ geht es wiederum extrem entspannt zur, wie unser Rezensent feststellt.

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

IM GESPRÄCH: Blues-Gitarrist Walter Trout

US-Gitarrist Walter Trout setzt auf Blues und Soul. Niels Holger Schmidt sprach mit ihm über seine Vorbilder, kommende Projekte und seinen Weg aus dem Drogensumpf. Frage: Deine letzte Studio-CD "Go The Distance" ist von 2001, im vergangenen Jahr wurde dein über zehn Jahre altes "Life in The Jungle"-Album neu aufgelegt und in Kürze wirst du eine neue Konzert-DVD aufnehmen. Wann kann man mit neuem Studio-Material von Dir rechnen? 

Trout:
 Auf dieser Live-DVD, die am 12. August erscheint, ist nur neues Material. Es ist wie eine Studio-CD. Es ist einfach eine andere Art es zu machen. Heutzutage kann man das Studio in die Hosentasche stecken. Platten werden heute auf Computern gemacht. Man braucht kein Studio mehr. Die Hälfte der Leute, die ich in Los Angeles kenne, machen ihre Platten im eigenen Haus, in der Garage oder im Schlafzimmer. Daher weiß ich nicht mehr recht, was du mit einer Studio-CD meinst. Im Grunde nehmen wir eine neue Platte mit brandneuem Material auf. Du hast keinen dieser Songs vorher gehört. Der einzige Unterschied ist, dass Leute kommen und uns bei den Aufnahmen zusehen. Ein Live-Album enthält normalerweise bereits veröffentliche Songs, aber diese DVD nicht. 


Frage: In den letzten Jahren gab es einige Blues-Musiker wie Eric Clapton, Peter Green oder Aynsley Lister, die akustische Platten herausgebracht haben. Warum hast du nie eine "unplugged"-Platte aufgenommen?
Trout:
 Ich bin kein großer Freund davon. Ich mag es E-Gitarre zu spielen. Ich mache nur das, was ich genieße. Und ich denke, dass, wenn du viele dieser Leute fragst, sie dir sagen würden, dass sie ihre Akustik-Platten mehr als Marketingmittel eingespielt haben, nicht als etwas, was sie wirklich genossen haben. Ich bin nicht sonderlich interessiert an einem Marketing-Projekt. Ich denke immer an die MTV-Show "unplugged". In dem Werbespot für Bruce Springsteens "unplugged"-Auftritt kommt er auf die Bühne, spielt Akustik-Gitarre und sie sagen "Versäumt es nicht einzuschalten und seht Bruce Springsteen unplugged!" Plötzlich nimmt er die Akustik-Gitarre, zertrümmert sie und sagt: "Wir haben Verstärker! Wir wollen sie benutzen!" Dann geht der Vorhang auf und da steht seine ganze Band mit ihren Verstärkern. Und ganz genau so sehe ich das. 

Frage: Ein anderer Trend sind "Tribute"-Platten. Auch du warst auf dem Hendrix-Tribute "Blue Haze" mit deiner "Hey Joe"-Version vertreten. Außerdem hast du dich bei einem Bo Diddley und einem Stevie Ray Vaughn-Tribute beteiligt. Welche Songs würdest du auswählen, wenn du ein Album mit der Musik deiner Idole machen würdest?
Trout:
 Ich habe auch noch auf einem Jeff Beck-Tribute-Album mitgespielt. Für mein persönliches Tribute-Album würde ich wohl Luther Allison Stücke aufnehmen, einige Buddy Guy Songs, einige B.B. King Songs, etwas von Hendrix und einige "Cream"-Lieder, Wahrscheinlich auch etwas von Roy Buchannon. Vielleicht mache ich das wirklich mal, aber nicht im Moment. Ich bin zu beschäftigt. 

Frage: Du hast deine Laufbahn als Trompeter in einer Marching Band begonnen, warst Mandolinenspieler in einer Bluegrass-Combo und machst nun nur noch Blues. Würde es dich reizen einmal ein Album zu machen, bei dem du die verschiedenen Stile aus deiner Vergangenheit aufgreifst?
Trout:
 Das könnte wirklich interessant sein. Allerdings würde das mit der Trompete schwierig. Auch wenn noch weiß wie man spielt, habe ich doch die Gesichtsmuskulatur nicht mehr, weil ich schon lange nicht mehr Trompete spiele. Es braucht eine Menge Übung um die Muskulatur zu entwickeln. Aber es ist eine interessante Idee und wäre bestimmt spaßig Über so ein Projekt habe ich noch nie nachgedacht.

Frage: In den letzten Jahren tauchten einige junge Blues-Gitarristen wie Johnny Lang, Kenny Wayne Shepard oder Aynsley Lister auf. Was hältst du von den diesen "Blues-Jungspunden"?
Trout:
 Ich finde das großartig. In einer Ära am Fließband gemachter Popmusik und computerproduzierter Musik mit Schlagzeugcomputern, Rap und diesem ganzen Scheiß, finde ich es toll, dass sich eine junge Generation darum kümmert, dass der Blues am Leben bleibt. Es gibt eine Menge junger Gitarristen und darunter sind einige wirklich gute. In zehn Jahren, wenn einige diese Teenager, die ich Gitarre spielen höre, Mitte 20 sind, wird es eine ganze Gruppe großartiger Gitarristen geben, die Musik auf mit Instrumenten und mit Herz und Seele spielen. Das ist sehr ermutigend und sehr gesund für die Musikszene.

Frage: In deiner langen Karriere hast du mit Blues-Größen wie John Lee Hooker, Mama Thornton, oder John Mayall zusammengearbeitet. Welcher dieser Künstler hat dich am stärksten beeinflusst und beeindruckt?
Trout:
 Ganz klar John Mayall, weil ich von ihm soviel über Musik gelernt habe. Ich habe auch gelernt, wie man ein Bandleader wird. Das ist eine Fähigkeit, die darüber hinausgeht nur Musiker zu sein. John ist einer der besten Bandleader, die ich kenne. Für mich steht John in der Tradition von Duke Ellington und Count Basie, Leute, die eine Band benutzen wie ein Instrument. Darin ist er ganz groß. In den fünf Jahren in denen ich mit ihm spielte, habe ich wirklich studiert was er tut. Ich habe mich in der Art, in der ich eine Band führe und in meinem Stil an John orientiert. Ich habe versucht die Lektionen, die ich von ihm bekommen habe zu nutzen. Insofern war er der einflussreichste von all diesen Leuten. Er ist das auch noch immer und noch immer ein guter Freund. Er hat Songs von mir auf seinen letzten zwei CDs aufgenommen und unterstützt mich bis heute, gibt mit Tipps. Wenn ich traurig bin, ruf ich ihn manchmal an und er hört mir zu und spricht mit mir, gibt mir ein besseres Gefühl. Er war immer großartig zu mir. In meiner Erinnerung und meiner Zuneigung ist er die Spitze. 

Frage: In den 80-er Jahren warst du bei "Canned Heat". Auf deren neuen CD "Friends in the Can" spielst du bei dem Song "Get Home To You" wieder mit deinen alten Kollegen zusammen. Wie kam es zu dieser "Wiedervereinigung"?
Trout:
 Das war ein großer Spaß. Sie haben mich angerufen und gefragt, ob ich auf ihrer neuen CD einen Song spielen würde. Darüber war ich wirklich glücklich. Ich habe vorgeschlagen, dass ich einen Song schreibe und sie fanden die Idee gut. Eigentlich wusste ich nicht recht, was ich schreiben sollte. Ich habe darüber nachgedacht und mir fiel auf, dass all ihre Hits darum kreisen unterwegs zu sein, zum Beispiel "Going Up The Country" oder "On The Road Again". Diese Jungs, wie zum Beispiel Fito de la Parra (Anm.: Schlagzeuger von "Canned Heat") waren seit 1966 ständig unterwegs. Ich dachte, vielleicht muss man einmal einen Song aus dem Blickwinkel schreiben, wie sich jemand fühlt, der so lange Zeit auf der Straße war und einfach nachhause will. Eine der Strophen meines Songs ist eine direkte Antwort auf den Text von "Going Up The Country". Ich schrieb es als einen Blick auf die andere Seite des Tour-Lebens, wenn man des Reisens müde ist und das Gefühl hat nur noch Heim zu wollen. Es hat wirklich Spaß gemacht es mit diesen Jungs aufzunehmen, es war toll wieder mit ihnen im Studio zu sein und ich bin wirklich glücklich über diese ganze Geschichte.

Frage: In der Vergangenheit warst du lange auf Drogen und Alkohol, bist aber davon losgekommen. Wie hast du das geschafft und bist die heute in der Drogenaufklärung aktiv?
Trout:
 Nun ja, meine Anti-Drogenarbeit ist genau das was ich jetzt mache. Ich gebe ein Interview und erzähle meine Erfahrungen. Meine Erkenntnis ist, dass dieses Zeug, Drogen und Alkohol dich nur ausbremsen. Wenn du ein ernsthafter Musiker bist und als Künstler etwas ernsthaftes machen willst, musst du heute in Bestform sein, musst gut beieinander sein, musst so gesund wie möglich sein, musst dich um dich selbst kümmern, ausgeruht und ausgeschlafen sein. Ich hatte vor einigen Jahren eine Offenbarung. Gott sagte zu mir, wenn ich ihm die Stärke zeigen würde mein Leben zu ändern und mit den Drogen und dem Suff aufzuhören, würde er mir alles geben, was ich mir wünsche. Dann habe ich einfach aufgehört. Ich bin nicht zu Treffen gegangen oder in eine Therapiegruppe. Ich habe einfach aufgehört, obwohl ich völlig von Drogen und Alkohol abhängig war. Und er gab mir alles was ich wollte: Eine hübsche Frau, drei wunderschöne Kinder und eine Karriere mit der Musik, die ich liebe. Alles was ich als Antidrogen-Arbeit tun muss, ist diese Geschichte Leuten wir dir erzählen und dafür zu sorgen, dass sie veröffentlicht wird. Wenn junge Musiker das lesen, hilft es ihnen hoffentlich nicht die gleichen Fehler zu machen wie ich.