CD & DVD-REVIEWS:

DANZIG – Black Laden Crown

Das erste DANZIG Album mit ausschließlich neuen Songs seit sieben Jahren serviert und Glenn DANZIG - und macht damit eine historische Bauchlandung, findet unser Rezensent.

DEEP PURPLE – inFinite

Die britischen Rock-Giganten DEEP PURPLE legen mit „inFinite“ Album Nr. 20 vor. Ein ziemlich gelungenes, entspanntes Alterswerk - und vielleicht das letzte, mutmaßt unserer Rezensent HIER:

Zwischen ACCEPT und Udo Dirkschneider ist bekanntlich seit Jahren der Ofen (wohl endgültig) aus. Aber jetzt haben die Band und ihr Ex-Reibeisen jeweils Live-Dokumente am Start auf denen das Erbe der Teutonen-Metal-Giganten abgefeiert wird. Wie die Ergebnisse ausfallen, steht HIER.

CHICKENFOOT – Best + Live

Die All-Star-Truppe CHICKEN- FOOT hat ne neue Scheibe, so mehr oder weniger zumindest. Was von dem Best Of und Live-Doppelschlag zu halten ist, steht HIER:

BÜHNENNOTIZEN:

DOUBLE CRUSH SYNDROME live in Düsseldorf

DOUBLE CRUSH SYNDROME haben ein starkes Album abgeliefert. Aber schaffen sie den Live-Test? Das beantwortet unser Rezensent HIER.

IM GESPRÄCH:

Jon Lord über seinen Abschied von DEEP PURPLE

Er ist eine Rock-Legende: Keyboarder Jon Lord gehörte seit der Bandgründung 1968 zu „Deep Purple“ und verließ die Band 2002, um sich seinen von klassischer Musik geprägten Solo-Werken zu widmen. Er hat gerade seine neue CD „Beyond The Notes“ vorgelegt. Niels Holger Schmidt sprach mit ihm über seine künftigen musikalischen Projekte und seinen Abschied von „Deep Purple“.
 

 

Frage: Deine neue CD ist das erste Studio-Album nach der Trennung von „Deep Purple“, knüpft aber stark an den Vorgänger „Pictures within“ an. Ist die neue CD ein Neuanfang oder die Fortsetzung Deines Schaffens?

Lord: Es hat Ähnlichkeiten mit „Pictures within“. Es enthält aber auch neue Anteile, zum Beispiel mehr schnelleres Material. Vier, fünf Stücke haben Rhythmusbegleitung. „Pictures within“ war insgesamt melancholisch und getragen. Ich denke es ist ein Schritt vorwärts mit einem Blick zurück. Es ist eine Kombination aus „Pictures within“ und etwa dem gleichen Gefühl, das ich beim Album „Sarabande“ hatte. Bei der neuen CD war ich das erste Mal wirklich aus „Purple“ heraus. Der erste Schritt in meine eigene musikalische Welt. Es ist die erste echte Aussage darüber, wohin ich in Zukunft will. Ich freue mich sehr darauf, mit meiner Band auf Tour zu gehen. Das lehrt einem mehr über die Musik. Es ist ja ganz schön, zuhause zu sitzen und Musik zu schreiben und dann aufzunehmen. Aber es fängt erst wirklich an greifbar zu werden, wenn man auf der Bühne ist.

 
Frage: Dein neues Album hat einen starken Klassik-Einschlag, vor Kurzem hast du eine Blues-Live-DVD veröffentlicht. Ist Jon Lord als energiegeladener Rock-Organist endgültig weg?

Lord: Ich weiß nicht, ob er für immer weg ist. Alles war ich tue kommt daher, was ich bin. Ich habe als Blues-Musiker angefangen, als ich zuerst Orgel spielte, war das in einer R&B-Band. Ich hatte die Liebe zur klassischen Musik aber immer in meiner Seele. Dann habe ich mit einem sehr dynamischen Gitarristen eine Band gegründet, der Ritchie Blackmore hieß. Da musste ich mich entwickeln und lernen mit ihm diese Musik zu spielen. Über die Jahre habe ich ja immer wieder außerhalb von „Deep Purple“ Musik gemacht, die mir am Herzen lag. Ich sehe mich selbst gern als vielschichtigen Musiker. Wenn es ein Projekt gäbe, das mich gern dabei hätte, um die Art von Hammond-Orgel zu spielen, die ich bei „Deep Purple“ gespielt habe und ich fände das Projekt gut, würde ich es machen. Um die Frage zu beantworten: Ich denke nicht, dass er weg ist. Er sitzt nur hinter dem anderen Jon Lord.

 

Frage: Vermisst du es nicht manchmal die Orgel schreien zu lassen? Oder reicht es dann 'Smoke On The Water' in einer Gottschalk-Fernsehshow zusammen mit Ian Anderson von Jethro Tull zu spielen?

Lord: Das war tatsächlich merkwürdig. Ich wusste erst gar nicht, ob ich das machen sollte. Aber ich konnte es doch nicht zulassen, dass es eine Sendung gibt, die „50 Jahre Rock“ heißt, ohne dass ein „Deep Purple“-Mitglied dabei ist. Da habe ich eben mitgemacht. Es war ein großer Spaß. Ich habe nicht erwartet „Smoke On The Water“ je mit Ian Anderson zu spielen. Es war vielleicht eine gute Art auf Wiedersehen zu sagen, indem ich diesen Song dort gespielt habe. Ich werde das nicht mir meiner Band spielen. Das Lied gehört „Deep Purple“. Wenn ich das hätte weiter spielen wollen, wäre ich in der Band geblieben. Vielleicht ist diese Zeit für mich einfach vorbei.

 

Frage: Es gibt einige „Deep Purple“-Lieder, die die Band nie gespielt hat, die aber gut in Dein Solo-Repertoire passen würden. Zum Beispiel „April“ mit seinem Mix aus Rock- und Klassik-Elementen.

Lord: Ich habe vor „April“ zu spielen. Ich hatte bisher nur noch keine Zeit es mit meiner Solo-Band zu proben. Es ist ja ein sehr komplexes Werk. Aber es ist ein Teil meiner zurückliegenden Seiten, die ich wieder aufblättern will. Es gibt noch andere Titel, die „Deep Purple“ nie gespielt haben, einige ruhigere Stücke. Zum Beispiel ist ein sehr schöner Song auf „Perfect Strangers“, der „Waysted Sunsets“ heißt. Ich würde das gerne von Sam Brown singen lassen. Das wäre ein interessantes Experiment. Vielleicht im kommenden Jahr.

 

Frage: Du und Ritchie Blackmore seid sehr prägend für den „Deep Purple“-Sound gewesen. Heute macht Ihr beide ganz andere Musik. Waren „Deep Purple“ am Ende eher Pflicht als Kür?

Lord: Ich kann natürlich nicht für Ritchie sprechen, sondern nur für mich. Für mich waren „Deep Purple“ nie eine Pflicht. Es war immer eine wundervolle Band. Es waren nur die letzten Monate, vielleicht das letzte Jahr, als mir klar wurde, dass ich meine Solo-Musik mehr machen wollte, dass ich das Gefühl hatte, die Band verlassen zu wollen. Ich wollte nie in „Deep Purple“ bleiben nur um meine Pflicht zu erfüllen. Das wäre eine Lüge der Band, dem Publikum und mir selbst gegenüber gewesen. Also bin ich gegangen. Aber ich hatte den unglaublichsten Spaß die allermeiste Zeit in „Deep Purple“ zu spielen. Auch die letzten neun oder zehn Jahre mit Steve Morse waren die reine Freude. Er ist ein wundervoller großzügiger Musiker. Was Ritchie und mich in den frühen Jahren zusammengebracht hat war, dass wir beide Musik jenseits der Rockmusik mochten. Was wir mit „Deep Purple“ vielleicht erfunden haben war eine sehr kraftvolle Art von Rockmusik, die sehr persönlich für die Band in dieser Zeit war. Manchmal stellt man aber fest, dass es andere Seiten der eigenen Persönlichkeit und der eigenen musikalischen Leidenschaften gibt, denen man folgen muss. Ich kann verstehen warum Ritchie das macht, was er heute macht. Er hatte immer diese Vorliebe für die Renaissance und für merkwürdige Kleidung. Aber man darf nicht vergessen, dass „Deep Purple“ ein großer Teil meines Lebens waren. Mehr als die Hälfte meines Lebens war ich in dieser Band.

 

Frage: Du hast zur Trennung von „Deep Purple“ gesagt, dass Du nicht wusstest, wie du Deine Solo-Aktivitäten mit der Band unter einen Hut bringen solltest. Wärest Du noch bei „Deep Purple“, wenn die Band alle fünf Jahre ein Album und eine Tour gemacht und dazwischen den Musikern Zeit für Soloprojekte gegeben hätte?

Lord: Ich denke das wäre ich wohl. Für mich war der Punkt die Menge an Tourneen, die „Deep Purple“ wieder ab den neunziger Jahren machten. Es war toll zu der Zeit, aber als ich an einen Punkt in meinem Leben kam, an dem ich meine andere Seite erkunden musste, hatte ich einfach nicht die Zeit. Wenn man ein gewisses Alter erreicht, bekommt man den Eindruck, dass einem die Zeit etwas wegläuft. Ich hatte das starke Gefühl, dass, wenn ich es jetzt nicht tun würde, ich es nie mehr tun würde. Also bin ich zum Rest der Band gegangen und habe gesagt: Könnten wir nicht weniger arbeiten und mehr Zeit für Solo-Sachen lassen. Sie waren sehr freundlich, meinten aber, dass sie das nicht so sehen würden und lieber damit weitermachen wollten einfach „Deep Purple“ zu sein. Daher musste ich sagen: Gut, dann muss ich gehen.

 

Frage: Die „Neue Philharmonie Westfalen“ will dein „Concerto for Group & Orchestra“ aufführen und Du hast Dir das Orchester schon bei einem Konzert in Gelsenkirchen angesehen. Was ist daraus geworden?

Lord: Es soll wohl im kommenden Jahr laufen. Ich bin regelmäßig mit ihnen im Kontakt. Die Idee ist sehr schön. Es gibt einige Mitglieder aus dem Orchester, die ihre eigene Rockband haben. Was sie machen wollen ist, diese Musiker aus dem Orchester heraustreten und die elektrischen Teile spielen zu lassen. Eine großartige Idee. Sie haben gefragt, ob ich ihnen behilflich sein könnte, und ich habe natürlich zugestimmt. Es ist schön, das von anderen Leuten gespielt zu sehen.

 

Frage: Viele deiner Solo-Projekte stehen mit Deutschland in Zusammenhang. „Windows“ und „Sarabande“ wurden in Deutschland mit deutschen Orchestern aufgenommen. Deine beiden letzten Platten wurden ebenfalls hier aufgenommen. Gibt es in Deutschland einen besseren Nährboden für diese Art von Musik zwischen Pop und Klassik als andernorts?

Lord: Einfache Antwort: ja. Die Leute hier sind einfach offenherziger und weniger davon beeinflusst, was gerade in oder out ist. Auch die Musikindustrie hier hat einen freieren Geist als in Großbritannien oder den USA. Außerdem gibt es in Deutschland eine lange Tradition für mich. Deutschland war auch das erste Land, in dem wir mit „Deep Purple“ sehr populär geworden sind, noch vor England. Die erste große Plattenfirma, die uns unter Vertrag genommen hat, war die EMI Deutschland hier in Köln. Immer wenn ich Solo-Projekte machen wollte, war Deutschland das Land aus dem gesagt wurde: Komm, mach das hier. Habe eine enge Beziehung zu diesem Land. Ich mag es hier zu spielen und die Art wie hier auf die Musik geschaut wird. Ich wäre gern in England so bekannt wie hier. Dort kennt man mich als den Kerl, der die Hammond-Orgel für „Deep Purple“ gespielt hat. Daran werde ich noch arbeiten.