CD & DVD-REVIEWS:

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

EDGUY – Monuments

Die Umsatzkönige EDGUY fräsen sich schon nunmehr seit 25 Jahren mit ihren etwas zu klebrigen Melodien in unser Gehör. Das begehen sie mit einem fetten Packet aus Best-Of, nagelneuen Nummern und einer DVD. Lohnende Anschaffung, findet unserer Rezensent.

EUROPE - Final Countdown 30th Ann. Show

 

Vor drei Dekaden haben EUROPE mit „Final Countdown“ sämtliche Hitparaden geknackt. Das wurde 2016 auch livehaftig gefeiert. Was von dem gerade erschienen Mitschnitt der Feierlichkeiten zu halten ist, steht HIER

 

IM GESPRÄCH:

SABATON-Bassist Pär Sundström

Die schwedische Metal-Brigade SABATON absolviert derzeit einen überaus erfolgreichen Feldzug durch die europäische Klublandschaft. Im Sturmgepäck hat man reichlich Munition vom starken Album „Carolus Rex. Zur Truppe gehören seit einem knappen halben Jahr gleich drei neue Rekruten an Gitarren und Schlagzeug. Niels Holger Schmidt und Nicole Fritsche plauderten mit Bassist und Manager Pär Sundström (Bild links) vor dem ausverkauften Auftritt im Münchener Backstage über die aktuelle Gefechtslage.

 

 

m/o: Euer Sänger Joakim feiert seine Liebe zum Gerstensaft bei jedem Konzert, indem er ein Bier auf ex trinkt. Euer Auftritt in München findet am ersten Oktoberfest-Wochenende statt. Seid Ihr Eurer Leidenschaft für das kühle Blonde schon beim weltweit größten Bierfest nachgegangen?

Pär Sundström: Heute ist es ja losgegangen. Aber wir waren nicht da. Es wäre wohl auch nicht sehr sinnvoll gewesen, vor der Show hinzugehen, denn wir bevorzugen es ja, vor dem Auftritt nicht zu trinken. Joakim hat die Nummer mit dem Bier bei jeder Show in Deutschland in den zurückliegenden fünf Jahren gemacht. Aber er will das nicht mehr jeden Abend machen. Deshalb haben wir das Spiel umgedreht und die Fans können sich jetzt stattdessen im Schnelltrinken messen.

 

m/o: Werdet Ihr denn noch auf der Wiesn vorbeischauen? Oder geht es im Anschluss direkt weiter?

Pär Sundström: Nein, wir müssen los zur nächsten Show. Eigentlich etwas schade. Wir haben schon zweimal hier während der Zeit des Oktoberfestes gespielt, aber es nie dort hin geschafft.

 

m/o: Kurz vor Erscheinen der neuen Platte habt ihr zwei Drittel der Band ausgewechselt. Wie ist das Gefühl ein halbes Jahr danach? War es nicht sehr merkwürdig, plötzlich jeden Abend mit anderen Leuten auf der Bühne zu stehen, als in den letzten 10 Jahren?

Pär Sundström: Nein im Moment gibt es kein merkwürdiges Gefühl mehr. Es fühlt sich perfekt auf der Bühne an. Wir haben mehr Energie, als wir je vorher. Die Atmosphäre auf der Bühne ist besser, als sie lange Zeit vorher war. Ich erinnere mich kaum noch an das Gefühl mit der alten Besetzung.

 

m/o: Vermisst Du Deine langjährigen Weggefährten nicht ein bisschen?

Pär Sundström: Nein, wirklich nicht. Es macht jetzt einfach mehr Spaß. Die Auftritte sind einfach besser. Ich vermisse sie ab und an als persönliche Freunde, aber nicht als Bandmitglieder.

 

m/o: Habt Ihr noch Kontakt?

Pär Sundström: Ab und zu, aber wir sind sehr beschäftigt, immer auf Tour, deshalb treffen wir uns nicht mehr.

 

m/o: Wie hat sich das Klima in der Band verändert? Jetzt gibt es ja offenkundig zwei Kategorien von SABATON-Musikern: die Generäle Joakim und Pär auf der einen Seite und drei neue Rekruten auf der anderen.

Pär Sundström: Das ist doch ganz natürlich. Joakim und ich machen das ja schon zwölf Jahre, während die anderen drei Jungs ganz neu dabei sind. Deshalb ist es normal, dass Joakim und ich genau wissen, wie die Sache läuft. Aber das Gefühl ist sehr gut.

 

m/o: Was ist genau der Unterschied im Klima in der Band vor und nach dem Wechsel?

Pär Sundström: Vor dem Wechsel waren einige Dinge sehr kompliziert, weil nicht alle sie machen wollten. Das betraf etwa Autogrammstunden, Touren, „Meet & Greet“- Termine.

 

m/o: War es einfach zu viel Arbeit?

Pär Sundström: Nein, aber einige Leute wollten solche Sachen nicht machen und hatten andere Vorstellungen, wollten mehr zuhause sein, sich etwas zurückziehen. Und das ist jetzt anders.

 

m/o: Krieg ist Euer Thema. Was fesselt Euch noch immer daran, nachdem Ihr mittlerweile so viele Alben mit fast nichts anderem gefüllt habt?

Pär Sundström: Ich wollte eigentlich von Anfang an Songs über Themen schreiben, die eine Bedeutung haben. Das sollten nicht einfach ausgedachte Geschichten, fiktionale Texte sein. Wir wollten über Realitäten schreiben. Es sollten etwas sein, das für die Leute eine Bedeutung hat, wenn sie die Songs hören. Da gab es verschiedene Ideen, aber die historischen Themen waren die besten. Deshalb sind wir dabei geblieben. Es macht es für uns interessant, darüber zu schreiben und viele Zuhörer stehen offensichtlich auch darauf.

 

m/o: Wäre es nicht Zeit für etwas Neues, Überraschendes? Wie wäre es mit einer Coverplatte nur mit Friedensliedern. „Give peace a chance“ oder „Hiroshima“ im SABATON-Sound.

Pär Sundström: Das wäre sicher witzig, aber wir haben eine starke Beziehung zu unseren Fans. Und wenn wir nur so eine Spaß-Nummer machen würden, wären viele Fans sicher sehr enttäuscht. Wir sind den Fans sehr dankbar, dass sie es uns möglich machen, umherzuziehen und Musik zu machen. Davon können nur wenige Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das ist wirklich ein Geschenk. Wir können das nur dank unserer Fans. Wenn wir sie enttäuschen, indem wir eine schlechte Platte machen, sind wir draußen.

 

m/o: Ist der Druck groß?

Pär Sundström: Ja der Druck ist immer sehr groß, bei jeder Show und jedem Song, den wir schreiben. Es gibt keine Chance, sich zu entspannen. Wir haben ein paar Songs, in denen wir versucht haben, etwas anderes zu zeigen, wie „Metal Crüe“, „Metal Machine“ und „Metal Ripper“. Aber da ging es vor allem um die Musik, nicht um die Texte.

 

m/o: Im Ernst: Eure Vorliebe für das Thema Krieg hat Euch schon gelegentlich in Rechtfertigungszwang gebracht, etwa wenn Euch der Vorwurf gemacht wurde, George Bush zu unterstützen, weil ihr Texte über den Golfkrieg gemacht habt.

Pär Sundström: Es gibt immer Leute, die glauben, wir unterstützten dieses oder jenes, nur weil wir über bestimmte Ereignisse singen. Aber sie verstehen da etwas grundsätzlich falsch. Wir singen über sehr verschiedene Ereignisse, aber am Ende ist die Botschaft, dass Krieg eine furchtbare Sache ist, die nicht passieren sollte.

 

m/o: Wird man nach solchen Erfahrungen nicht vorsichtiger, was die Themenauswahl angeht?

Pär Sundström: Ja, das mussten wir. Wir singen über die Themen, die uns selbst interessieren. Aber es gibt bestimmte Themen, die man nicht anrühren sollte, weil sie, egal, wie man es anpackt, infiziert sind, weil sie politische Themen sind und nicht historische. So was versuchen wir, zu vermeiden.

 

m/o: Ihr habt Euch ja sogar an das Thema Holocaust herangetraut. Könnt ihr nachvollziehen, dass viele Menschen in Deutschland ein merkwürdiges Gefühl haben, wenn tausende Fans den Text Eures Songs „The Final Solution" mitgrölen?

Pär Sundström: Ja. Klar kann ich das verstehen. Es gab ja Leute, die nach unseren ersten Alben meinten, SABATON seien eine Neonaziband. Um alle solche Gerüchte zu beseitigen, haben wir gesagt: In Ordnung, dann machen wir einen Song genau über dieses Thema, um eben solchen Gerüchten den Boden zu entziehen.

m/o: Eure aktuelle Scheibe kreist um den schwedischen König Karl XII und das schwedische Imperium in der Zeit von 1561 bis 1721.

Pär Sundström: Genaugenommen ist es vor allem über diese ganze Phase schwedischer Geschichte, über verschiedene Könige und eine Königin.

 

m/o: Einige schwedischen Rechtsextremisten stehen ja eben auf diesen König und diese Epoche, in der Schweden Großmacht war. Hattet Ihr keine Bedenken, von durchgeknallten Nationalisten vereinnahmt zu werden?

Pär Sundström: Es gab tatsächlich viele Leute, die das befürchtet haben. Das waren vor allem Journalisten, aber nicht die Fans. In Zeitungen wurde spekuliert, das könnte eine nationalistische Hymne werden. Aber als sie die Scheibe am Ende gehört haben, haben sie sicher gesehen, dass das Album in keiner Weise Schweden als Nation abfeiert, auch nicht die damaligen Soldaten, nichts dergleichen. Es geht nur um die historischen Ereignisse.

 

m/o: Ihr habt zur Vorbereitung der Texte mit einem Geschichtswissenschaftler zusammengearbeitet.

Pär Sundström: Ja, um sicherzustellen, dass wir die richtige Themenauswahl treffen und diese auf die richtige Art anpacken.

 

m/o: Ihr habt das erstmalig so gemacht. Was ist der Unterschied, wenn man mit einem so hochkarätigen Fachmann arbeitet?

Pär Sundström: Ja, das war das erste Mal, dass wir das so gemacht haben. Aber ich denke nicht, dass es das letzte Mal war. Es war ein gutes Gefühl, einen der Topexperten für das Themenfeld an seiner Seite zu haben. Wenn jetzt jemand kommt und sagt: Dies oder jenes stimmt nicht, haben wir wirklich starken Beistand. In der Vergangenheit haben wir uns auf Artikel oder Dokumentationen über historische Ereignisse verlassen. Dann kamen immer wieder Leute, die sagten: Da und da habt ihr geschrieben bei dem Ereignis waren 400 Leute dabei, es waren aber 505. Oder: Ihr schreibt, jenes Ereignis war am 6. Dezember, es war aber am 7. Vielleicht gab es da Fehler, mag sein, oder auch nicht. Aber wir haben uns auf die uns vorliegenden Erkenntnisse gestützt. Diesmal war das Schöne, dass niemand die Texte dieses Albums in Frage stellen konnte, weil wir einen Geschichtswissenschaftler hinter uns hatten.

 

m/o: An thematischem Nachschub für weitere Kriegs-Platten dürfte es kaum mangeln. Schließlich gibt es immer mehr Kriege um Ressourcen und Einflusssphären, etwa im Afghanistan, jetzt in Syrien. Bewegen Euch solche Ereignisse persönlich, die Bilder der Toten und Verwunderten?

Pär Sundström: Unglücklicher Weise werden uns die Inspirationen für neue Alben in dieser Hinsicht wohl nie ausgehen. Und das ist wirklich traurig. Aber es gehört wohl zur menschlichen Natur, zu töten und um Dinge zu kämpfen, die nicht allein unter der Kontrolle einzelner Menschen sind. Deshalb werden uns die Themen nicht ausgehen. Aber wir werden wirklich politische Themen immer vermeiden. Dinge, die in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts passiert sind, sind inzwischen eben historische Dinge und keine politischen Themen. Aktuelle Ereignisse sind in 40 Jahren auch historisch. Man wird sehen, was sich aus den heutigen Ereignissen entwickelt.

 

m/o: Eure neue Platte „Carolus Rex“ läuft wirklich gut. Einige Fans und Kritiker finden aber, sie sei zu gefällig, zu bombastisch, zu viele Chöre, zu viele Keyboard-Teppiche. Götz Kühnemund vom Rock Hard, wirft Euch vor, dieser Sound sei für die „Ballermannisierung des Metal“ verantwortlich, mache Metal zu Volksfestmusik oder einer Art „Easy Listening Metal“. Trifft Euch solche Kritik?

Pär Sundström: Nein, überhaupt nicht. Wenn der Vorwurf, das sei „Easy Listening Metal“ stimmen würde, wäre das doch gut. Es würde uns helfen, neue Fans zu gewinnen. Wenn wir keinen neuen Fans gewinnen wollten, könnten wir auch gleich aufhören. Es gibt ja keinen Grund zu spielen und in alten Mustern hängen zu bleiben. Unserer Auffassung nach werden wir besser und gewinnen so neue Fans. Wenn wir einfach nur das weiter machen würden, was wir vor fünf Jahren gemacht haben, wären wir tot. Es wäre völlig sinnlos. Ich würde sofort aufhören.

 

m/o: Denkt ihr über Veränderungen des Stils von SABATON auf den nächsten Platten nach?

Pär Sundström: Ich denke, im Wesentlichen hat sich bei uns nur der Sound geändert. Die Songs basieren heute aber großenteils noch immer auf den gleichen Quellen der Inspiration, die wir auch 1999, 2002 oder 2005 hatten. Der Stil von SABATON wird sich nie ändern. Wir haben nur den Sound etwas verändert, zum Besseren nämlich. Wir sind mit dem, was Peter Tägtgren als Produzent gemacht hat, sehr zufrieden. Und eines ist sicher: Diese Entwicklung hat uns viele neue Fans gebracht. Ich denke, das neue Album klingt besser, als alle vorher. Es gibt immer Leute, die in der Vergangenheit wühlen und erzählen: Früher war alles besser. Der Meinung sind wir nicht. Wir halten die neue Platte für die bisher beste, besser als alle vorhergehenden. Der Sound ist besser geworden, gerade bei der neuen Platte.