CD & DVD-REVIEWS:

DANZIG – Black Laden Crown

Das erste DANZIG Album mit ausschließlich neuen Songs seit sieben Jahren serviert und Glenn DANZIG - und macht damit eine historische Bauchlandung, findet unser Rezensent.

DEEP PURPLE – inFinite

Die britischen Rock-Giganten DEEP PURPLE legen mit „inFinite“ Album Nr. 20 vor. Ein ziemlich gelungenes, entspanntes Alterswerk - und vielleicht das letzte, mutmaßt unserer Rezensent HIER:

CHICKENFOOT – Best + Live

Die All-Star-Truppe CHICKEN- FOOT hat ne neue Scheibe, so mehr oder weniger zumindest. Was von dem Best Of und Live-Doppelschlag zu halten ist, steht HIER:

BÜHNENNOTIZEN:

DOUBLE CRUSH SYNDROME live in Düsseldorf

DOUBLE CRUSH SYNDROME haben ein starkes Album abgeliefert. Aber schaffen sie den Live-Test? Das beantwortet unser Rezensent HIER.

Knüppel aus dem Sack: SLAYER, Fotos (19): Niels Holger Schmidt
Knüppel aus dem Sack: SLAYER, Fotos (19): Niels Holger Schmidt

BILDERSTRECKEN:

Warum ist es am Rhein so laut? Metalfest Loreley

Rockt noch immer: DORO
Rockt noch immer: DORO

Ordentlich gerockt wird der Felsen drei Tage lang beim Metalfest auf der Loreley. Gerade noch rechtzeitig hat sich das Unwetter am ersten Tag (20. Juni) auf die andere Rheinseite verzogen, da bricht auf der Bühne das  Riffgewitter los. Vor paradiesischer Kulisse liefern PARADISE LOST 6500 Zuhörern den Soundtrack zum Weltuntergang. Ein wenig deplaziert wirken Nick Holmes und seine dunklen Gesellen schon im strahlenden Sonnenschein – auch wenn die Matte längst ab ist und die Engländer längst deutlich gemäßigter zu Werke gehen. Vor der Bühne jedenfalls lassen die Mattenschwinger ihre Mähnen ordentlich kreisen.

Ordentlich aufs Gaspedal treten anschließend ICED EARTH. Die US-Powermetaller lassen es anständig krachen. Stu Block, der das schwere Erbe Matthes Barlow angetreten hat, macht am Mikro einen ordentlichen Job.

So richtig zum Ausrasten bringt zum ersten Mal an diesem Tage eine Wasserstoffblondine von rheinabwärts die Meute auf der Loreley. DORO PESCH schöpft aus einem beeindruckenden Repertoire  auch aus alten WARLOCK-Tagen. Knaller wie „Burning the witches“ und „All we are“ schmettert ein tausendstimmiger Chor mit. Ihr verzeiht man zur Not dann auch ein Schmalzballade wie „Für immer“. Metaller haben ihr Herz halt am richtigen Fleck. Auf jeden Fall haben DORO und ihre komplette Band an diesem Tag den Poser-Oscar verdient.

Und dann bricht das Inferno los unter dem Zeltdach auf der Loreley-Bühne. Die Bay-Area-Thrasher von TESTAMENT zeigen der wogenden Menge, was eine Metalharke ist. Frontklops Chuck Billy, der mit seinen Mannen nur schemenhaft im dichten Bühnennebel zu verorten ist, brüllt sich die Seele aus dem Hals, um gegen die unglaubliche Soundwand anzukommen. Schließlich öffnet der Himmel doch noch alle Schleusen. Die heiß gelaufene Menge auf dem Felsen bringt das nicht aus dem Takt.

Tag zwei auf dem Rock-Felsen:

Fesch nachgelegt haben die Organisatoren vom Metalfest am zweiten Tag an der Loreley: Auf dem Billing stehen große Namen: ACCEPT, DOWN und SLAYER sollen der Metalgemeinde die Messe lesen.

Vorher allerdings schicken die schwedischen Death-Metaller von Hipocrisy einen phonstarken Weckruf in Richtung Campingplatz. Die Band um Sänger Peter Tägtgren verbindet gekonnt brutales Geknüppel mit epischen Melodien. Genau das richtige, um den Kater abzuschütteln.

 

Schrill_ J.B.O.
Schrill_ J.B.O.

Mächtig Spaß in den Backen haben anschließend J.B.O., deren Fangemeinde sich überwiegend schwarzgewandeten Publikum durch ihre rosafarbenen Outfits abheben. Bierbauch im Tutu – die Fans trauen sich schon was. Die Band auch. Das Lied der Schlümpfe in Metal ist nicht jedermanns Sache. Die Gäste aus dem angrenzenden Ausland, die der deutschen Zunge nicht mächtig sind, schütteln schonmal den Kopf. Findet man sowas in D-Land gut? Naja, so leidlich.

Spaß beiseite, jetzt kommt's knüppeldick. Ex-SEPULTURA-Shouter Max Cavalera haut dem Auditorium eine verschärfte Dosis Tribal-Metal um die Ohren. Da ist auch der letzte rosa Luftballon bald geplatzt.

Und dann setzen die ACCEPT den Siegeszug des Teutonen-Metals ungebremst fort.Songs wie „Fast as a shark“, „Breaker“, „Balls to the Wall“ und „Metal Heart“ kann hier eh jeder mitsingen. Aber auch die Songs von den beiden neuen Alben wie „Stalingrad“ und „Hung, drawn and quartered“ und „Teutonic Terror“ stinken gegen die Klassiker alles andere als ab. Sänger Mark Tornillo macht einen Super-Job. Was macht eigentlich Udo?

Fuß vom Gas heißt es bei Down. Die neue Kapelle von Ex-PANTERA-Röhre Phil Anselmo, bei der auch der schwergewichtige wie glatzköpfige Gitarrist Kirk Windstein von der Doomlegende CROWBAR mittut, lässt ihre Lava-Sounds den Felsen herunterwalzen.

Zu guter Letzt heißt es dann: Knüppel aus dem Sack. Die Thrash-Legende SLAYER zieht das Tempo wieder kräftig an. Frontmann Tom Araya ist kein Freund großer Worte, dafür beeindrucken die stillen Gesten umso mehr: Die Gitarre des unlängst verstorbene verstorbenen Jeff Hanneman lehnt das ganze Set über an der Backline, und vor „South of heaven“ fällt der Slayer-Backdropt und gibt den Blick auf ein Hanneman-Logo im Stil eines Heineken-Etiketts frei. Gary Holt, der Hanneman schon länger auf Tour ersetzen musste, macht auch am Rhein einen guten Job.

 

Hatten schon bessere Tage: SAXON.
Hatten schon bessere Tage: SAXON.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei – für die Veranstalter des Metalfest ist es allerdings nicht ganz einfach, das Versprechen einzulösen. Nachdem Slayer am Freitagabend phonstark abgeräumt und damit fast für einen Steinschlag auf den Serpentinen hoch zur Loreley gesorgt haben dürften, lässt man es am Samstagmittag zunächst gemäßigter angehen. Die drei bärtigen Berliner Zausel von KADAVAR blasen dem noch kleinen Publikum die Rübe mit ihrem 70er Jahre Retro-Rock wieder frei. Obwohl es bis zur Vorabendmesse noch etliche Stunden sind, riecht es im Halbrund vor der Bühne schon gehörig nach Weihrauch. Nett anzuhören, wenn auch nicht besonders originell.

Eine sichere Bank sind THRESHOLD aus dem vereinigten Königreich. Ihr Prog-Rock taugt über weite Strecken auch durchaus dazu, die Matte kreisen zu lassen. Auf die Briten kann man sich einigen.

Die Viking-Metal-Fans bedienen die lustig in Rot und Schwarz geschminkten Turisas, die ihren Namen einem alten finnischen Kriegsgott entlehnt haben. Im Publikum recken die Fellträger ihre Plastik-Streitäxte gen Himmel. Wer’s mag.

Völlig durchgeknallt sind die Norweger von KVELERTAK aus der schönen Hafenstadt Stavanger. Mit einer ausgestopften Eule auf der Birne stürmt SängerErlend Hjelvik ans Mikrofon, während die Mannen hinter ihm eine beeindruckende Lärm-Mixtur Hardcore, Punk, Rock und Black Metal anrühren. Gleich drei Gitarristen sorgen für einen derartigen Lärmpegel, dass es kaum auffällt, dass sämtliche Texte auf Norwegisch gebrüllt werden.

Und dann nochmal Finnland: WINTERSUN bringen die Massen mit melodischem Death-Metal zum Bangen.

Schließlich steht mit SAXON noch eine echte Legende auf der Bühne. Die Menge ist bereit, Biff und die Seinen abzufeiern, doch die NWoBHM-Rocker machen es den Fans nicht leicht. Viel zu viel neues Material vom jüngsten Diskus „Sacrifice“, das man wohl allenfalls  mittelprächtig nennen darf, macht die Stimmung fast zunichte, bevor dann wirklich Klassiker wie „Strong Arm Of The Law“, „Crusader“, „The Power And The Glory“ und „747 (Strangers In The Night)“ das Publikum zum Ausrasten bringt. – Onkel Hotte

 

Hier gibt es die Bilderstrecken:

TESTAMENT                   SLAYER             SAXON                   

ICED EARTH                  ACCEPT             DOWN

DORO                            FANS                 WINTERSUN

SOULFLY                       J.B.O.                 TURIAS

KVERLERTAK