CD & DVD-REVIEWS:

Chris Rea - Road Songs ForLovers

Chris Rea meldet sich trotz herber gesundheitlicher Rückschläge wieder mit einer neuen Scheibe zurück. Auf „Road Songs For Lovers“ geht es wiederum extrem entspannt zur, wie unser Rezensent feststellt.

MOTÖRHEAD – Under Cöver

Wie ist die neue MOTÖRHEAD-Coverscheibe? Darüber gehen die Meinungen in der Redaktion doch ziemlich auseinander, wie man HIER lesen kann.

QUIET RIOT – ROAD RAGE

QUIET RIOT sind (mal wieder) mit nem neuen Sänger - dem  „American Idol“- Gewinner James Durbin und neuem Album unterwegs-. Die Scheibe hat eine ziemlich turbulente Entstehungsgeschichte, wie man HIER nachlesen kann.

DIRKSCHNEIDER Nochmal Back To The Roots

Herr DIRKSCHNEIDER hat mal wieder ne neue Live-Scheibe aufgenommen - mit Material seiner Ex-Kapelle ACCEPT. Der Sinngebung dieser Unterfangens spürt HIER unser Rezensent Markus Renner nach:

BILDERSTRECKEN:

So war das Rock Hard Festival 2017

Freitag, 2. Juni

Chef im Ring: Die Blues Pills. Fotos: Niels Holger Schmidt
Chef im Ring: Die Blues Pills. Fotos: Niels Holger Schmidt

Es ist einfach ein gutes Gefühl, bei knapp 30 Grad Celsius das Gelände des Nordsternparks in Gelsenkirchen zu betreten. Es hat etwas von nach Hause kommen, denn in beim Rock Hard Festival im Amphitheater trifft sich die Ruhrgebiets-Metalfamilie alljährlich am Pfingstwochenende, um gemeinsam eine Party zu veranstalten. Und auch in diesem Jahr wird geherzt, gedrückt, geküsst und sich vor allen Dingen zugeprostet. Das musikalische Rahmenprogramm gerät da fast in den Hintergrund, zumal nicht immer für jeden Geschmack etwas dabei ist. Wir haben den Tag mit ROBERT PEHRSSON´S HUMBUCKER begonnen. Der Schwede und seine Mitstreiter liefern ein solides Set aus gutem Rock ab, bei dem jedoch ein wenig die Seele fehlt. Vielleicht liegt es an der frühen Uhrzeit und dem Gefühl, dass er ein wenig mehr verdient hätte, als der zweite Act am frühen Nachmittag mit 40 Minuten Spielzeit zu sein, so richtig überspringen will der Funke nicht, obwohl die Band einen sauberen Gig liefert, an dem es nichts zu meckern gibt, außer diesem komischen Gefühl, dass etwas fehlt. Sei´s drum, abgehakt. Denn nun folgt eine Dampfwalze: MANTAR aus Bremen fegen mal eben alles weg. Das Duo lässt sich so richtig keinem Genre zuordnen, aber ihr Stil, nämlich ein hämmerndes Schlagzeug, eine fette Gitarre und ein ziemlich fieser Gesang, kommt an. Die Intensität der 2-Mann Combo ist unglaublich und nach 45 Minuten steht man mit offenem Mund da und denkt „Wow, was war das denn jetzt?“

Abrocken: THE DEAD DAISIES.
Abrocken: THE DEAD DAISIES.

Das folgende Kontrastprogramm bestreiten THE DEAD DAISIES, die mit ihrem geerdeten Hardrock und der Lebenslust, die sie auf die Bühne bringen, die eher misanthropisch auftretenden MANTAR vergessen machen. Nun haben wir das, was zum Hard- und Glamrock gehört, nämlich lange Haare, Posen und ständig anzügliche Andeutungen. Dabei sind gewisse, unübersehbare Ähnlichkeiten zu AEROSMITH, in deren Vorprogramm die Band bereits aufgetreten ist, durchaus gewollt. Eine Stunde lang unterhalten THE DEAD DAISIES das Publikum mit ihrem Easy-Living-Hardrock und zwar richtig gut. Ein Auftritt, der die Leichtigkeit bringt, die der nächsten Band im Setting, CANDLEMASS, fehlt. Die Epic-Doom Band aus Schweden hätte das Highlight des ersten Festivaltages sein könne, wäre nicht das völlige Versagen der Soundabteilung gewesen. Der Auftritt von CANDLEMASS wird leider durch einen völlig übersteuerten Bass komplett kaputt gemacht. Das Dröhnen verursacht einen Soundmatsch, der fast alle Anwesenden nervt und die Frage, ob der Mischer das nicht hört und nicht endlich mal runter regeln will, wird vielfach gestellt. 75 Minuten spielen die Schweden, davon 35 in einem undefinierbaren Soundbrei, ca. 20 Minuten mit einigermaßen ordentlichem Sound, bevor es wieder dröhnt. Dass der Auftritt von CANDLEMASS nicht so gut ist, wie er hätte sein können, liegt nicht an der Band, sondern an den Umständen. Schade, dass den DOOM-Ikonen somit verwehrt wurde, was ihnen eigentlich zusteht, nämlich ein großartiger Gig. Der Headliner des Abends kommt ebenfalls aus Schweden: BLUES PILLS. Die Band um Frontfrau Elin Larsson liefert einen soliden Auftritt ab und dennoch wirkt sie etwas deplatziert. Es stellt sich die Frage, ob man den BLUES PILLS einen Gefallen damit getan hat, sie zum Headliner bei einem Hardrock- und Metalfestival zu machen. Der erdige Bluesrock mit den 70er Jahren Einflüssen, den die Band spielt, ist zwar gut und unterhaltend, aber nicht ganz das, was der geneigte Metalfan hören will. Wir können uns jedenfalls nicht daran erinnern, dass wir den Platz Front-Of-Stage jemals bei einem Headliner so leer gesehen haben wie heute. Und der Elan und Charme von Elin sorgt zwar für geneigte Freundlichkeit seitens des Publikums, erinnert aber daran, was wir heute schon mal erlebt haben: So richtig springt der Funke nicht über. Auch wenn BLUES PILLS einen ordentlichen Auftritt hinlegen, auch wenn Elin hüpft, tanzt, strahlt und macht und tut, als Headliner, zumindest bei einem Festival mit Musik der härteren Gangart, fehlt ihnen doch das Format.

Fazit: Ein eher durchwachsener Tag mit einer untypischen Zusammenstellung, der bei einigen dazu geführt hat, dass sie sich doch eher der Ruhrpott-Metalfamilie gewidmet haben.

Samstag, 3. Juni

Der Tag beginnt so, wie der vorherige geendet hat: Musik, Bier und gute Laune. Was das Rock Hard Festival immer wieder auszeichnet, ist eine ungeheure Lässigkeit. Der Umgang miteinander ist absolut freundlich, es liegt nirgendwo auch nur ansatzweise Aggressivität in der Luft. Ob Nachwuchsmetaler oder graue Eminenzen, alle feiern friedlich miteinander. Das NIGHT FLIGHT ORCHESTRA serviert gemäßigte AOR-Klänge in großer Besetzung und mit einem gewissen Augenzwinkern und wird freundlich aufgenommen. Durchaus gutklassig. Bei den folgenden SKYCLAD ist die Stimmung im Amphitheater schon ausgelassen. Zwar ist die Menge noch überschaubar, aber wer da ist, feiert zu dem Folk Metal der Briten. Der Aufforderung von Sänger Kevin Ridley, doch mal einen kleinen Hobbit-Tanz zu veranstalten, kommen vor allem die jüngeren unter den Anwesenden gerne nach und auch der kurze Schauer während des Auftritts kann die Stimmung nicht kippen. Die Jungs von der Insel haben in Sachen gute Laune hervorragende Arbeit geleistet. Mit ASPHYX wird es härter und voller. Die niederländischen Death-Doomer sind beim diesjährigen Rock Hard Festival die ersten die es schaffen, den Raum vor der Bühne komplett auszufüllen. Arme werden empor gereckt, Es wird gegröhlt, Bierbecher fliegen durch die Luft. Richtigerweise stellt Frontmann Martin von Drunen fest, dass der Crowd „diese Scheiße von uns wohl gefällt.“ Der frenetische Jubel gibt ihm recht und die Band hinterlässt den auf ihnen folgenden EXODUS (BILD LINKS) ein gut bestelltes Feld. Zu den Kalifoniern muss man nicht viel sagen, sie sind eine Klasse für sich. Die Thrash-Ikonen brennen ein einstündiges Feuerwerk ab und begeistern das Publikum mit einer guten Mischung aus neuen Songs und ihren Klassikern. Lediglich zu Beginn des Auftritts gibt es wieder ein Soundproblem zu beklagen, diesmal entgegen gesetzt zu gestern. Diesmal ist es zu wenig Bass, der stört. Vor allem bei den Drums ist es auffällig. Was nutzt die schönste Doublebass, wenn man sie nicht hört und die Snares dafür umso aufdringlicher sind? Zum Glück wird dieses Problem schnell gelöst und nach rund zehn Minuten ist alles so, wie es sein soll. Nun sind alle im Metal-Jubel-Modus und auch, wenn es musikalisch nun wieder etwas langsamer wird, so wird die Stimmung im folgenden sogar noch besser.

Dafür sorgen die durchgeknallten Dänen D.A.D.  (BILD RECHTS) Der Spaß beginnt bereits mit dem Bühnenaufbau. Eine riesige, bunte Couch bildet den Mittelpunkt, das Drumkit steht auf ihr. Große Pappmaché-Boxen rahmen sie ein, das Ganze wird verschiedenfarbig beleuchtet, dieser Aufbau allein deutet an, dass es großartig wird. Und die Kopenhagener halten Wort. Sie spielen ihre Hits, sie haben Spaß und verbreiten diesen Spaß auch gerne weiter. Bassist Stig Pedersen spielt den gesamten Gig im Raumfahrer Outfit, nebst Helm, aus dem dann auch noch Funken fliegen. Man fragt sich, wie er da hinkriegt, bei der schwülen Hitze, die vorherrscht. Aber er macht es einfach und wie immer stellt er den Fans auch alle seine 2-Saiten-Bass Modelle vor, die er dabei hat. Der andere Garant für gute Laune ist wie immer Frontmann Jesper Binzer, der zwischen den Songs immer wieder seine herrlich verdrehten Geschichten in seinem genial komischen deutsch mit dem unschlagbaren dänischen Akzent erzählt. Sei es nun die Behauptung, dass Drummer Laust Sonne „große, große Angst“ hat und darum Unterstützung braucht oder die Geschichte über die Anreise aus Kopenhagen, Jesper erzählt, sorgt für gute Stimmung und sein ständiger Nachsatz „Liebes Rock Hard, verstehn Sie, was ich sage?“ führt immer wieder zu Lachattacken. Die Band verfügt natürlich über große musikalische Qualitäten, aber was sie so sympathisch macht, ist der Fakt, dass sie sich selbst nicht so ernst nehmen. Nach D.A.D wird es dann richtig böse:

BEHEMOTH entern die Bühne. Die Polen eröffnen ihre Show mit einer Menge Feuer und viel Lärm, aber mit extrem wenig Bewegung. Dynamik? Fehlanzeige! Ihre Ursprünge im Black Metal haben sie immer mehr hinter sich gelassen und sind heute eher dem Death Metal zuzuordnen. Textlich geht es häufig um den Satan und musikalisch um Geschwindigkeit und viel Gedresche. Viele Festival Besucher verlassen nach den ersten Tönen das Amphitheater fluchtartig, der größere Teil aber bleibt. Nach vier Songs gibt es die ersten Pfiffe. Von dem bunten Trubel vor der Bühne, den es bei Exodus und D.A.D. noch gab, ist nix mehr zu sehen. Allerdings gibt es durchaus auch Zuhörer, die den düsteren Gestalten auf der Bühne huldigt. Dennoch: Als Headliner ist das eine Fehlbesetzung.

Sonntag, 4. Juni

Am dritten Tag des Familienfestes am Kanal sind deutliche Spuren sichtbar. Viele der Metalheads haben bereits zwei exzessive Tage hinter sich und auch, wenn immer noch viele Bierbecher sichtbar sind, so hat die Zahl derer, die mit Cola oder Wasser gefüllte Becher in der Hand halten, deutlich zugenommen. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, zumal viele der Feiernden der Meinung sind, dass nun der beste der drei Tage bevorsteht. Wir sind ab dem Auftritt von DEMON im Amphitheater. Die Band ist ein absoluter Klassiker, der seit 38 Jahren besteht und eine dementsprechende Fangemeinde hat. Es ist voll vor der Bühne, die Ansagen der Songs werden gefeiert und die Songs selbst von vielen, vor allem den Älteren, mitgegröhlt. Die Briten liefern einen soliden Gig ab und auch wenn die Stimme des Sängers und letzten verbliebenen Gründungsmitglied Dave Hill einige deutliche Schwächen aufweist, so beenden sie ihren Auftritt lautstark bejubelt. Dieser Jubel wird beim nächsten Act nochmal gesteigert und auch die Zuschauerzahl nimmt deutlich zu, als ROSS THE BOSS (Bild) die Bühne betreten. Mit einem aus MANOWAR-Klassikern bestehende Set voller Power begeistern sie das Publikum. Was auch daran liegt, dass eine Band auf der Bühne steht und nicht etwa ein Soloprojekt des ehemaligen MANOWAR-Gitarristen Ross Friedman. Auch wenn die Band nach ihm benannt ist, es ist ein gut funktionierendes Team, dass da auf der Bühne steht. Sänger Patrick Fuchs hat nicht nur stimmlich einiges drauf, er versteht es auch, das Publikum immer wieder anzufeuern und zum mitmachen zu animieren. Eine Stunde voller Metal-Power hinterlässt ein begeistertes Publikum. Mit FATES WARNING betreten darauf folgend Pioniere des Progressive Metal die Bühne. Sie klingen deutlich anders und setzen mit bunter Kleidung auch optisch einen Kontrapunkt zum vorherrschenden Schwarz der Metalheads. Musikalisch wird es anspruchsvoller und gelegentlich denkt sich der geneigte Zuhörer, dass der ein oder andere Schnörkel in der Musik vielleicht doch nicht hätte sein müssen. Die Band besteht aus herausragenden Musikern, die gerne zeigen, dass sie ihre Instrumente beherrschen, was es manchmal ein bisschen anstrengend macht, sie zu hören, weil es übers Ziel hinaus schießt. Dennoch ist der Jubel groß, denn diese Band live zu erleben ist trotz allem eine Pflicht für jeden Metalfan.

Wenig späte gibt es ein Rückkehr zur Einfachheit: DIRKSCHNEIDER (im Bild, die Galerie gibt es HIER) entert die Bühne für einen reinen ACCEPT-Set. Der kleine Knubbel Udo Dirkschneider hat mit seinen 65 Jahren zwar deutlich erkennbare Bewegungsprobleme, aber seine kreissägeartige Stimme ist voll da und begeistert die Fans. Das Amphitheater und der Platz vor der Bühne sind voll, die Stimmung auf dem Höhepunkt als ein Klassiker nach dem anderen ertönt. „Princess Of The Dawn“ beispielsweise wird minutenlang nur vom „Mmm Mmm Mmm“ der Fans getragen, Gänsehautstimmung nicht nur auf der Bühne. Es ist nicht Udo allein, der die Fans begeistert, er hat sich eine gute Band zusammengestellt, die im Schnitt deutlich jünger ist als er. Die Jungs sind nicht nur gute Musiker, sondern bringen auch eine Dynamik auf die Bühne, die der Mastermind nicht mehr hinbekommt. Die Stimme von Udo Dirkschneider, gute Musiker und die Hits von ACCEPT sind eine hervorragende Kombination: DIRKSCHNEIDER rocken das Amphitheater in einer Art und Weise die erahnen lässt, dass alles, was danach kommt nur noch abstinken kann. So ist es dann auch: Als OPETH als letzter Headliner des diesjährigen Rock Hard Festival die Bühne betreten, hat sich das Amphitheater bereits deutlich geleert. Die Musik der Schweden ist keine leichte Kost und als Abschluss für ein Festival wahrscheinlich nicht sonderlich geeignet. Angefangen hat die Band mit Death Metal, bevor sie ihre Liebe für den Progressive Metal entdeckt hat. Seitdem gibt es geniale Songs, die aber oft kompliziert aufgebaut sind und manch einem sind die häufigen Tempowechsel, die vielen Bridges, der Wechsel zwischen Growling und Klargesang einfach zu viel und zu anstrengend. Die herausragenden Musiker von OPETH (die Galerie gibt es HIER) das Festival abschließen zu lassen war einmal mehr nicht die klügste Entscheidung beim diesjährigen Rock Hard. Das findet offenbar auch die Band selbst. Frontmann Mikael Åkerfeldt lässt am Unwillen über die undankbare Aufgabe, nach DIRKSCHNEIDERs Schlusspunkt "Balls To The Wall" das Podium entern zu müssen, in sarkastischen Ansagen keinen Zweifel. Vielleicht beweisen die Festival-Macher 2018 ein dramaturgisch etwas glücklicheres Händchen. Trotzdem insgesamt: Daumen hoch!