CD & DVD-REVIEWS:

URIAH HEEP - Living The Dream

Andere Rock-Dinos nehmen die Rockerrente in den Blick, URIAH HEEP legen mit „Living The Dream“ Studioalbum Nr. 25 (!) vor - und klingen dabei so gar nicht nach Rentnerband.

Eric Clapton: Life In 12 Bars (Soundtrack)

Dieser Tage schaut Eric Clapton in dem Dokumentarfilm „Life In 12 Bars“ auf sein Leben und seine Ausnahmekarriere zurück. Auch der Soundtrack hat es in sich, findet unser Rezensent.

Joe Bonamassa - British Blues Explosion Live

Joe Bonamassa ist bekanntlich ein ziemlich fleißiger Mann. Auf seinem neuen setzt er sich mit den Heroen der “British Blues Explosion” auseinander, also mit Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page. Ganz interessant, findet unser Rezensent.

AYREON – Best of Ayreon live

Die Zockertruppe um Arjen Anthony Lucassen serviert uns mit ihrem Doppellive-Album – wie der Titel schon andeutet – einen livehaftigen Durchmarsch durch ihr Schaffen seit 1995. Mitgeschnitten wurde das ganz bei den 2017er Tilburg-Konzerten. Beeindruckend, findet unser Rezensent.

BILDERSTRECKE:

So war das Rock Hard Festival 2018

Tag 1:

Was soll man großartig zum Rock Hard Festival schreiben, was nicht schon geschrieben wäre? Das große Familienfest der Ruhrpott-Metalheads hält auch in diesem Jahr, was es verspricht.

Startschuss gaben die Todesmetaller Dawn of Disease, guter Sound, gute Stimmung gutes Wetter und leider einem schmerzhaft übersteuerten Bass. Hoch die Pommesgabeln! Zweiter Teilnehmer waren die Lokalmatadoren ATTIC. Die KING DIAMOND-Epigonen lieferten amtlich, die Stimmung auf und vor der Bühne ließ keine Wünsche offen. Der Sound ließ an Stellen des Halbrundes allerdings noch immer zu wünschen übrig, wobei man der Fairness halber sagen muss, dass es auch schwierig ist, das Amphitheater an jeder Stelle vernünftig zu beschallen.

Der Headliner des Freitags, SODOM, gibt geben ihr erstes Konzert in der neuen Quartett -Besetzung mit Rückkehrer Frank Blackfire, klingen aber auch nicht wesentlich anders als zuvor. Und reichlich altes Zeug von den ersten Scheiben ist auch am Start von „Outbreak of Evil“ bis „The Saw is the Law“. Insgesamt unspektakulär. Auch hier war der Sound weiter nicht optimal. Vor der Bühne und auf der Nordsternbrücke waren sie hervorragend zu hören, in den oberen Rängen der schönen Location klangen Snare und Toms aber eher wie zerdrückte Blechbüchsen.

Von solchen Belanglosigkeiten lässt sich aber niemand die Laune vermiesen, sowohl Fans und Bands haben einfach Bock zusammen das Beste zu geben. Und das ist in diesem Jahr genauso wie in allen anderen Jahren: jede Band wird gefeiert, alle sind sie hier um Spaß zu haben, niedergemacht werden soll hier keiner. Auch die Mischung macht es. Von klassischem Rock bis zum aller derbsten Geknüppel ist für jeden was dabei.

Zu nennen sind da am Auftakt Tag etwa DOOL: Die Niederländer um Frontfrau Ryanne van Dorst mischen das Publikum ordentlich auf. Mit ihrer Mischung aus Doom, Gothic und Psychedelic Rock bieten sie einen interessanten Sound, der mit Leidenschaft und großer Spielfreude vorgetragen wird. Eine hervorragende Liveband, die das Amphitheater zum Kochen gebracht hat.

Ebenfalls sehenswert: DIAMOND HEAD: Auch wenn die Band, die 1976 in Stourbridge gegründet wurde, mit Leadgitarrist Brian Tatler nur noch ein Gründungsmitglied in ihren Reihen hat: der Kultfaktor ist hoch. Dementsprechend voll ist es vor der Bühne. Viele Metalheads wollen eine der maßgebenden Bands des NWBHM, die einen Großteil der heute großen Bands wie METALLICA und MEGADETH enorm beeinflusst hat, sehen und hören. Und was dann abgeht ist absolut großartig. Ein energievoller Gig, der einfach Spaß macht, nimmt seinen Lauf und Band und Fans haben eine Menge Spaß miteinander.

Außerdem am Start: TIAMAT. Diese Truppe als "Band" zu bezeichnen trifft es nicht ganz, denn es ist mehr ein Soloprojekt des Schweden Johan Edlund, das mit wechselnden Mitmusikern besetzt ist. Die Stimmung am Kanal sinkt deutlich ab, als die Combo ihren Gig, der nur aus Stücken der beiden erfolgreichsten Alben „Clouds“ und „Wildhoney“ besteht, herunter spielen. Nicht, weil es an sich schlecht wäre, sondern weil der Stil nun mal düster und melancholisch ist. Ausgelassenheit kann es nicht geben, wenn die Band um Johan Edlund ihre schwermütigen Klangwände vor sich herschiebt. Aber doch aufrichtigen Applaus für einen Auftritt, der ordentlich ist, aber nicht so recht zum Auftakt eines sonnigen Spaßwochenendes passt. -MaRe/nhs

Tag 2:

Weiter ging es an Tag 2. u.a. mit den Neo-Sleazern THE NEW ROSES die schon um die Mittagszeit für Party-Stimmung sorgten. Die Wiesbadener waren gerade erst mit den DEAD DAISIES auf Tour und sind gut eingespielt. Gradliniger Rock zeichnet die Junge aus, der Weg für nachfolgende Bands wurde seht gut geebnet. Geile Truppe.

Gleiches gilt auch für die US-Metallern LEATHERWOLF. Die liefern einen überzeugenden und gerade an den drei Gitarren auch ziemlich virtuosen Leistungsnachweis ab. Nicht schlecht nach zehn Jahren Veröffentlichungspause. Die Ami-Veteranen CIRITH UNGOL, zeigten, warum sie einen so legendären Ruf haben. Und sie stellten unter Beweis, dass sie es noch nicht verlernt haben. Doomiger US-Metall vom Allerfeinsten. Der Gesang von Tim Baker ist allerdings eher Speziell. Erwartungsgemäß schwach: Die Black-Metaller MARDUK knüppelten sich ziemlich uninspiriert durch ihren Set. Warum es in der Mischung allerdings eine künstlerisch – wie sich auch auf der Bühne bestätigte – tumbe und politisch zweifelhaft Truppe wie MARDUK braucht, erschließt sich nicht. Dem setzte AXEL RUDI PELL mit seiner gut eingespielten Band einen passenden Weckruf entgegen. Er lieferte fett ab. Auch wenn weder beim Songwriting noch auf der Bühne kaum ein Klischee ausgelassen wird: Diese Truppe rockt. Den knallharten Schlusspunkt setzten OVERKILL unter Festival-Tag 2. Bobby "Blitz" und Kumpanen präsentierten sich vorzüglich eingespielt. Die Thrash-Urgesteine heizen dem Publikum und damit auch der Security ordentlich ein. Die Menge der Crowdsurfer nimmt dermaßen zu, dass die helfenden Hände der Jungs hinter den Wellenbrechern kaum nachkommen. Dennoch sieht man auch in dieser Truppe nur lächelnde Gesichter. Rausziehen, runternehmen, abklatschen und anlachen, das ist die Reihenfolge. „In Union We Stand“ bekommt bei diesem Miteinander eine ganz eigene Bedeutung. Die Band liefert amtlich und der Blitz macht einen fitten Eindruck, auch wenn er, wie schon beim Ruhrpott Metal Meeting, des Öfteren hinter die Bühne rennt um sich aufzufrischen. Am Nerv-Faktor seines Sirenengesangs scheiden sich bekanntlich schon seit ewig die Geister. Dennoch gehören Knaller wie „Rotten To The Core“ zu den Genre-Klassikern. Ein sehr fetter Auftritt, der schon wieder Lust auf das nächste Mal. -nhs/MaRe

Tag 3:

Die Nacht war kurz, das sah man dem einen oder anderen Besucher an, der am letzten Festivaltag schon im 12 Uhr vor der Kanalbühne stand. Vor für diese Zeit erstaunlich großem Publikum legten zur Mittagsstunde die großartigen THUNDERMOTHER los, die selbst wenige Stunden zuvor noch ein Konzert in Frankfurt gespielt hatten und offenbar auch keinen Schlaf brauchen. Die vier Schwedinnen brachten mit ihrem rotzigen Riffrock a la AC/DC die träge Masse in Schwung. Füße stampften, die ersten Matten kreisten, die Fäuste mit dem Frühstücksbier wurden in die Luft gereckt. Und Gitarristin Filippa Nässil, die Augenringe schwarz überschminkt, wurde tüchtig abgefeiert, als sie mit ihrem Arbeitsgerät eine Spritztour ins Publikum unternimmt.

Aus der Wiege des Heavy Metal – nämlich Birmingham – waren MEMORIAL über den Kanal gesetzt, um der Festgemeinde zu zeigen, wo der Hammer hängt. Zwar ordnete Frontmann Karl Willetts die junge Band, bei der Benediction-Bassist Frank Healy den Tieftöner zupft, in die Schublade „klassischer Thrash“ ein, tatsächlich spielt der Vierer aber eher eine Mischung aus Death-Metal mit Doom-Versatzstücken und Anleihen beim Punk. Wer um die Zeit schon auf die Zwölf braucht, wurde jedenfalls anständig bedient.

Weiter ging’s mit NIGHT DEMON. Das Powertrio stand schon im vergangenen Jahr auf der Kanalbühne, allerdings verpassten viele Fans den Gig, weil die Security am Eingang mit den Kontrollen nicht nachkam. Nun gab’s eine faire zweite Chance, vor der Bühne zu klassischen Heavy-Metal-Hymnen das Haupt zu schütteln. Diesmal hatte allerdings der Soundmischer nicht seinen besten Tag. Erst im Laufe des Auftritts gesellte sich der Bass auch hörbar in den staubtrockenen Sound.

Der Welt bisweilen ein wenig entrückt wirkt Gitarrengott ULI JON ROTH, das war auch in Gelsenkirchen nicht anders. Aber warum sollte das Privileg, am helligten Tag Kräuterzigaretten zu konsumieren, den Leuten VOR der Bühne vorbehalten bleiben? Egal, ob vom Hanf oder von der Musik berauscht: Mit Titeln wie „In Trance“ und „Pictured life“ aus seinem leider viel zu kurzen Gastspiel bei den SCORPIONS hatte Roth das Publikum sofort in der Hand. Auf seiner selbst entworfenen Sky-Gitarre improvisierte der Virtuose mit soviel Inbrunst, dass er darüber die Zeit vergaß. „Ich hab hier keine Uhr, haben wir noch ein bisschen Zeit?“ fragte er, wen auch immer. Auch von einem hinter der Bühne kreuzenden Partyschiff ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen. Als die wummernden Bässe vom Rhein-Herne-Kanal verklungen waren, legte Roth mit seiner gut aufgelegten Band mit „We’ll burn the Sky“ los, das er seinem jüngst verstorbenen Bruder widmete. Auch seinem Vorbild Jimi Hendrix huldigte Roth und bewies dabei, dass er ein unglaublich guter Gitarrist, aber kein Sänger ist …

Ihre Instrumente beherrschen auch Coroner, eine der wenigen Metal-Exporte aus der Schweiz. Mit seinem sehr technischen Thrash hat das Trio sein sehr spezielles Publikum gefunden. Nichts zum Mitgehen, eher zum konzentrierten Hinhören.

Ganz anders die BACKYARD BABIES, die mit ihrem schweißtreibenden Partyrock sofort wieder für Tumult vor der Bühne sorgen. Es ist der Kontrast, der das Rock-Hard-Festival jedes Jahr so reizvoll für die Pfingstgemeinde des Hard Rock und Heavy Metal macht.

Mächtig was los auf und vor der Bühne machen ARMORED SAINT. Bei Metal-Fans genießen die Kalifornier um Sänger John Bush, der sich zwischenzeitlich bei den Moshern von Anthrax verdingt hatte, und Basser Joey Vera Kultstatus, auch wenn die Formation karrieretechnisch nie so richtig aus dem Quark gekommen ist. Als vorletzten Gruppe des diesjährigen Rock-Hard-Festival machten die Saints mächtig was los und reihten Metal-Hymne an Metal-Hymne. Im Mittelpunkt stand das „Symbol of Salvation“-Album, das inzwischen auch schon wieder mehr als ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat. Wer sich noch an den letzten Auftritt von ARMORED SAINT beim Rock-Hard-Festival erinnern kann, ist auch nicht mehr der Jüngste – das war immerhin schon im Jahr 2007. In der Form dürfen sie aber gern wiederkommen, zumal man sie in Europa nicht so oft zu sehen bekommt.

Über den Headliner am Pfingstsonntag muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren: SAXON sind eine sichere Bank und zogen auch auf der Kanalbühne eine Riesenshow ab. Das Set war gespickt von Klassikern wie „Wheels of Steel“, „Power & The Glory“, „Dallas 1 pm“, „Crusader“ und „Princess oft he Night“. Wer bei „Denim and leather“ nicht abgeht, der ist kein Metalhead. Auf den jüngeren Alben der (Angel-) Sachsen ist die Hitdichte nicht ganz so groß. Sei’s drum, natürlich sollte auch das jüngste Werk „Thunderbolt“ promoted werden, deshalb ist es schon ok, dass es mit fast einem halben Dutzend Titeln ein wenig überrepräsentiert war. Frontmann Biff Byford war nicht nur ausgezeichnet bei Stimme, er erwies sich auch einmal mehr als grandioser Entertainer. Klar streifte er sich die dargereichte Kutte über. Von der Bühne aus dirigierte der Obersache einen vielstimmigen Geburtstagschor für seinen Kumpel Klaus Meine, seinem Amtskollegen bei den Scorpions, und beamte das Ständchen gleich per Smartphone nach Hannover. Auch auf die Facebook-Seite seiner Kapelle postete er eine Grußbotschaft vom Rock-Hard-Festival. Wer nicht dabei war, hat wirklich etwas verpasst. Denn der Saxon-Auftritt gehört leider zu den wenigen Festival-Gigs, die nicht vom WDR gestreamt oder für die spätere TV-Ausstrahlung aufgezeichnet wurden. Aber bei der Tour im Herbst gibt’s eine neue Chance.

Unterm Strich bleibt zu sagen: Auch das diesjährige Familientreffen vor der Kanalbühne war ein Riesenspaß. Am Pfingstmontag heißt es erstmal: runterkommen. Und dann freuen wir uns auf nächstes Jahr. – ONKEL HOTTE